Gegen erst kürzlich zugelassene neue Tuberkulose-Medikamente gibt es bereits Resistenzen: Das berichten Forscher des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) in Basel und der Universität Zürich. Sie warnen vor den Folgen.

Die Forschenden haben ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» publiziert, wie das Swiss TPH am Mittwoch mitteilte. In einer Fallstudie zeigen sie auf, dass gegen die neuen Antibiotika Bedaquilin und Delamanid bereits eine Doppelresistenz bestehe.

Mann erlitt Rückfall

Die zwei Wirkstoffe gehören zu einer neuen Generation hochwirksamer Medikamente gegen Tuberkulose (TB) und wurden in den USA und Europa erst kürzlich zugelassen. Sie sind das letzte verfügbare Mittel bei multiresistenter TB. Eine solche wurde 2010 auch bei einem aus Tibet in die Schweiz eingewanderten Mann diagnostiziert.

Eine Therapie mit vier verschiedenen Antibiotika blieb erfolglos. Erst Bedaquilin zeigte Wirkung, und 2013 galt der Mann als genesen. Nur fünf Monate später hatte er aber einen Rückfall. Nach wirkungsloser Behandlung mit sieben verschiedenen Antibiotika kam schliesslich auch Delamanid zum Einsatz.

Rasche Resistenz-Entwicklung

Doch auch gegen diesen Wirkstoff entwickelten die TB-Erreger innert weniger Woche Resistenzen. Der Mann überlebte nur dank einer operativen Teilentfernung seiner Lungenflügel. Wissenschafter am Swiss TPH analysierten nun mittels Genomanalysen die Erregerbakterien des Patienten über den gesamten Behandlungszeitraum von drei Jahren.

Laut der Mitteilung zeigte sich dabei, wie rasch TB-Bakterien auch gegen die neuen Antibiotika Resistenzen entwickeln können. Um dies zu verhindern, sei wahrscheinlich eine Kombinationstherapie mit gleichzeitiger Anwendung von unterschiedlichen Antibiotika nötig.

Gemeinsam würden diese nicht nur alle Bakterien beseitigen, sondern auch die Resistenzbildung erschweren, heisst es weiter. Allerdings gebe es noch keine Studien über das Zusammenwirken der Wirkstoffe und dabei entstehende allfällige Nebenwirkungen.

Vernachlässigte Forschung

Die Wissenschafter sehen das Problem indes nicht nur in der raschen Resistenzentwicklung. Sie kritisieren auch die Vernachlässigung der Tuberkulose-Forschung. Über Jahrzehnte sei wenig Geld in die Erforschung neuer Wirkstoffe geflossen, und die Tuberkulose sei in erster Linie als Krankheit von Entwicklungsländern verstanden worden.

Doch dem sei längst nicht mehr so. Denn in vielen Ländern Osteuropas verbreiteten sich multiresistente TB-Stämme, und diese träten auch in der Schweiz immer häufiger auf. «Dass eine multiresistente TB selbst in der Schweiz kaum heilbar ist, bereitet mir Sorgen», wird in der Mitteilung Studien-Mitautor Sébastien Gagnieux vom Swiss TPH zitiert.

Globale Bedrohung

Tuberkulose bleibe eine globale Bedrohung, hält das Institut fest. Die Krankheit ist hoch ansteckend und überträgt sich von Mensch zu Mensch auf dem Luftweg. Multi-Resistenzen gegen gängige TB-Medikamente nähmen namentlich in Osteuropa, Asien und Teilen Afrikas dramatisch zu. Neuartige Medikamente und Impfstoffe seien daher dringend nötig.

(sda/dbe)

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