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Säuberung
Türkei kassiert Gelder von 187 Geschäftsleuten

Erdogan: Zementiert seine Macht, verhaftet Gegner. Keystone

Nach dem Putschversuch Ende Juli zieht Erdogan das Vermögen von fast 200 Geschäftsleuten ein. Der Vorwurf: Nähe zu Gülen. Zahlreiche bekannte Unternehmer wurden verhaftet.

Veröffentlicht am 18.08.2016

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Putschversuch ist das Vermögen von 187 Geschäftsleuten beschlagnahmt worden. Das habe die Istanbuler Staatsanwaltschaft entschieden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA am Donnerstag.

Ihnen werde vorgeworfen, Verbindungen zum Prediger Fethullah Gülen zu haben. Die 187 Verdächtigen seien zudem zur Fahndung ausgeschrieben worden – 60 von ihnen habe die Polizei bereits bei Razzien in Istanbul festgenommen. Auch die bekannten Geschäftsmänner Faruk Güllüoglu und Ömer Faruk Kavurmaci seien darunter.

Baklava-Bäcker festgenommen

Die Güllüoglu-Familie gehört zu den bekanntesten Süssspeisen-Herstellern der Türkei. Berühmt sind sie für ihr Baklava, ein türkisches Gepäck.

Kavurmaci ist nach Medienberichten der Schwiegersohn des Istanbuler Bürgermeisters Kadir Topbas und Vorstandsvorsitzender der Firma Aydinli, die unter anderem auf dem Immobilienmarkt tätig ist.

Zehntausende in Haft

Das Einziehen der Gelder ist nur die Spitze des Eisberges. Seit dem Putschversuch Ende Juli hat Erdogan fast 80'000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes entlassen worden. Über 40'000 Personen kamen in Haft. Über 4000 Firmen und Einrichtungen wurden geschlossen. Das sagte Regierungschef Binali Yildirim am Mittwochabend.

Yildirim kündigte an, dass die «Säuberungskampagne» gegen Gülen-Anhänger im öffentlichen Dienst weiter gehen werde.

Gülen als Drahtzieher

Die Regierung in Ankara hält den seit 1999 im selbst gewählten Exil in den USA lebenden Gülen für den Drahtzieher des Putschversuchs am 15. Juli. Gülen hat den Umsturzversuch von Teilen des Militärs verurteilt und bestreitet eine Verwicklung darin.

Die Gülen-Organisation versteht sich als vom Islam inspirierte soziale Bürgerbewegung. Die türkische Regierung verlangt von den USA die Auslieferung des Predigers. Gülen bestreitet die Vorwürfe.

(sda/ise/ama)

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