Die Türkei verstärkt ihre Truppen an der Grenze zu Syrien. Zugleich versuchen die syrischen Regimegegner, die Regierungstruppen aus den Gebieten an der Grenze zu vertreiben. Sie spekulieren offenbar darauf, dass die von ihnen und der Türkei geforderte Schutzzone bald Realität werden könnte.

Wie türkische Tageszeitungen heute unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, verlegte die türkische Luftwaffe 15 Kampfjets ins südostanatolische Diyarbakir. Die Zahl der Panzer wurde demnach um 60 auf 250 erhöht.

Planungen für eine mögliche Intervention in Syrien liefen auf Hochtouren, meldeten die Zeitungen weiter. Demnach sind die Planer zum Schluss gekommen, dass sich die relativ flache Grenzgegend um die Stadt Akcakale gut für einen Panzerangriff eignen würde. Laut Medien sehen die Überlegungen der Militärs vor, einen Panzereinsatz durch Luftangriffe auf syrische Stellungen vorzubereiten.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat seit dem Tod von fünf Zivilisten durch eine syrische Granate in Akcakale am 3. Oktober mehrmals erklärt, die Türkei wolle keinen Krieg mit Syrien, müsse sich aber auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Laut Medien in der Türkei werden an der Grenze inzwischen Stellungen für die türkischen Truppen ausgehoben. Nach dem Tod der fünf Zivilisten in der vergangenen Woche hatte das türkische Parlament der Regierung Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt.

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Helikopter abgedrängt

Seit diesem Zwischenfall schlagen immer wieder Geschosse auf türkischem Gebiet ein, die Armee antwortet mit Artilleriebeschuss. Am Freitag spielte sich in der Grenzregion nach türkischen Angaben ein weiterer Zwischenfall ab.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP drängte ein türkisches Kampfflugzeug nahe der Grenze einen syrischen Helikopter ab. Der Helikopter habe sich der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren. Darauf sei ein türkisches Kampfflugzeug in Diyarbakir gestartet und habe den Helikopter abgedrängt.

Was war im Flugzeug?

Seitdem die Türkei am Mittwoch ein aus Moskau kommendes syrisches Passagierflugzeug zur Landung gezwungen hat, haben die Spannungen zwischen den Nachbarländern noch einmal zugenommen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte am Donnerstag erklärt, in dem Flugzeug habe sich militärische Ausrüstung eines russischen Herstellers befunden.

Die syrische Regierung bezichtigte Erdogan darauf der Lüge. Die russische Regierung erklärte am Freitag, das Flugzeug sei mit legaler Fracht beladen gewesen. An Bord hätten sich elektronische Komponenten für ein Radar befunden, sagte Aussenminister Sergej Lawrow.

Ein Verstoss gegen internationale Gesetze habe nicht vorgelegen. Lawrow fügte aber an, dass die Fracht sowohl zivil als auch militärisch anwendbar sei. Das russische Unternehmen, das die Radarteile geschickt habe, werde von Ankara deren Rückgabe verlangen.

Die Regierung in Ankara hat nach Informationen der türkischen Zeitungen einen NATO-Waffenexperten hinzugezogen, um die Fracht zu untersuchen. Gemäss türkischen Medien soll geprüft werden, ob sich darunter Raketenteile befinden.

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Brahimi reist in die Türkei

Die internationale Gemeinschaft versucht, den Konflikt zwischen Syrien und der Türkei zu entschärfen. Am Samstag wird deswegen der Syrien-Gesandte von UNO und Arabischer Liga, Lakhdar Brahimi, in Istanbul erwartet. Auch der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle wird in Istanbul Halt machen.

Die USA stärkten am Donnerstag  der Türkei in der Flugzeug-Affäre demonstrativ den Rücken. «Wir unterstützen den Entscheid der Türkei, das Flugzeug zu untersuchen», sagte die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Victoria Nuland.

Aus Syrien selbst wurden am Freitag heftige Gefechte aus den Provinzen Aleppo und Idlib an der Grenze zur Türkei gemeldet. Im syrischen Bürgerkrieg wurden bislang gemäss Schätzungen mindestens 31'000 Menschen getötet.

(tke/sda)