Die Türkei verzichtet auf den Kauf eines 3,4 Milliarden Dollar teuren Raketensystems aus China, das innerhalb der Nato heftig umstritten war. Grund für die Stornierung ist nach Regierungsangaben, dass die Türkei ein «eigenes nationales Raketenprojekt» plant.

Ende 2013 hatte die Türkei das Projekt bereits verschoben. Zuvor hatte sich Ankara im Grundsatz für den Kauf eines Raketenabwehrsystems des chinesischen Unternehmens CPMIEC entschieden. Die USA und die Nato kritisierten den Beschluss und äusserten Bedenken hinsichtlich der Kompatibilität des chinesischen Systems innerhalb der Nato. Bei der Auswahl hatte sich Ankara gegen westliche Anbieter entschieden, darunter den Hersteller des Patriot-Systems der US-Firma Raytheon.

Zweitstärkste Nato-Macht

Die Türkei hat mit rund 600'000 Soldaten die zweitstärkste Streitmacht der Nato nach dem US-Militär, verfügt bisher aber über keine eigene Raketenabwehr. Angesichts der Lage im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien hatte die Türkei deshalb 2012 die Nato-Partner um die Stationierung von «Patriot»-Raketen im Grenzgebiet gebeten.

Der deutsche «Patriot»-Einsatz hatte im Januar 2013 begonnen und endete im Oktober dieses Jahres. Zur Begründung wurde angeführt, dass die Bedrohung der Türkei durch Raketenangriffe aus Syrien inzwischen als gering bewertet werde.

(sda/ise/me)