Bei der Explosion in einem Bus der tunesischen Präsidentengarde sind am Dienstag in der Hauptstadt Tunis zwölf Menschen getötet worden. In der Folge sagte Präsident Béji Caïd Essebsi seinen Staatsbesuch in der Schweiz ab und verhängte über das ganze Land den Ausnahmezustand sowie ein Ausgehverbot für den Grossraum Tunis. Wie das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am Dienstagabend mitteilte, hat der tunesische Präsident seinen Staatsbesuch für Mittwoch und Donnerstag «mit grossem Bedauern» abgesagt. Er hoffe, dass sich später eine Gelegenheit ergebe, den Besuch nachzuholen.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga habe grösstes Verständnis dafür, dass Essebsi in dieser Situation absagen müsse, schreibt das Departement weiter. Sommaruga verurteile das Attentat.

Sprengsatz im Bus

Im Zentrum des Staatsbesuchs sollten der demokratische Übergang Tunesiens, das schweizerische Kooperationsprogramm sowie die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen stehen. Weitere vorgesehene Themen waren der Migrationsdialog sowie die Sicherheitslage und die Terrorbekämpfung. Während des Staatsbesuchs sollten ferner mehrere Vereinbarungen unterzeichnet werden.

Bei der Explosion in einem Bus der tunesischen Präsidentengarde wurden 12 Menschen getötet und 16 verletzt. Das gab das Innenministerium am Dienstagabend in Tunis bekannt. Der Sprecher des Präsidialamtes, Moez Sinaoui, sagte, es handle sich um einen «Anschlag». Wahrscheinlich zündete ein Attentäter im Bus einen Sprengsatz.

Die meisten Todesopfer seien Mitglieder der Präsidentengarde, die in dem Bus unterwegs waren, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitsdienste. Die Explosion ereignete sich am Nachmittag in der Nähe der Avenue Mohamed V., einer der belebtesten Strassen der tunesischen Hauptstadt. Zunächst bekannte sich niemand zum Anschlag.

Instabile Demokratie

Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali im Jahr 2011 verübten in Tunesien mehrfach islamische Fundamentalisten Anschläge. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis im März, bei dem 21 Touristen und ein Polizist getötet worden waren, und zu einem Anschlag in Sousse im Juni, bei dem 38 Touristen getötet wurden.

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Die Anschläge der vergangenen Monate werden als Versuch der Extremisten angesehen, die junge Demokratie zu destabilisieren. Laut tunesischer Regierung wurde der Attentäter von Sousse in Libyen ausgebildet, vermutlich von der Miliz Ansar al-Scharia. Zudem bekämpft die Regierung zurzeit Dschihadisten in einer Militärkampagne im Westen des Landes nahe der algerischen Grenze.

(sda/gku)