Nach den Terroranschlägen von Paris haben sich die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber den bisher lebhaftesten Schlagabtausch in einer TV-Debatte geliefert. Ex-Aussenministerin Hillary Clinton konnte dabei ihre Position als klare Favoritin behaupten.

Der parteilose liberale Senator Bernie Sanders und der Ex-Gouverneur von Maryland, Martin O'Malley, verschärften den Ton gegen Clinton spürbar. Letztere erschien aber auch in der zweiten TV-Debatte als erfahrenste Politikerin und empfahl sich so ein weiteres Mal für die demokratische Spitzenkandidatur.

«Keinen Krieg gegen den Islam»

Der Schlagabtausch der Demokraten begann mit einer Schweigeminute für die mindestens 129 Toten der Anschlagsserie in Paris, zu der sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte.

Der IS müsse «besiegt» werden, sagte Clinton. Sie betonte aber, der Kampf richte sich nicht gegen alle Muslime. «Wir führen keinen Krieg gegen den Islam. Wir bekämpfen den gewaltsamen Extremismus.»

Hauptrivale Sanders warf Clinton in der Debatte vor, 2002 für den Irakkrieg gestimmt zu haben. Kritiker meinen, dass der US-Einsatz Instabilität in der Region ausgelöst und damit das Anwachsen des extremen Dschihadismus gefördert hat. Auch O'Malley hielt Clinton vor, dass in Libyen, Syrien, Afghanistan und im Irak Chaos herrsche.

Nähe zur Wall Street angelastet

Am stärksten sprühten die Funken, als Sanders, der sich selber als Sozialist bezeichnet, Clinton eine zu grosse Nähe zur Wall Street anlastete. Er verwies auf Millionen an Spenden, die Clinton von Bankern erhalten habe, und deutete an, dass dies Clinton beeinflussbar machen könne.

Die 68-Jährige wies das als Angriff auf ihre Integrität zurück. Trotz aggressiverer Töne verlief die Diskussion aber zivilisiert.

In jüngsten Umfragen hat Clinton US-weit im Durchschnitt einen Vorsprung von fast 22 Prozentpunkten vor dem 74-jährigen Sanders. Der 52 Jahre alte O'Malley liegt völlig abgeschlagen auf dem dritten Rang. Die Präsidentenwahl findet am 8. November 2016 statt.

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(sda/chb)