Das Desaster wird von Woche zu Woche grösser und skurriler. Vergangene Woche berichtete «NZZ.ch» über eine einstweilige Verfügung, die es Mediapulse verbietet, die TV-Quoten an die Sender zu geben.

Dies war eine Kompromisslösung. Mediapulse hat die bekannten Daten den Senderspitzen zur Verfügung gestellt, sodass diese nicht mehr komplett im Blindflug unterwegs sind. Nun hat der TV-Sender 3+ per richterlicher Verfügung die allgemeine Veröffentlichung diese Woche gestoppt. Laut einem Sprecher des Senders sei der Richter auf alle Anträge eingegangen. Welches Gericht entschieden hat, gab der Sender nicht bekannt. «Es ist ein Obergericht», sagte der Sprecher zu «handelszeitung.ch».

Am Wochenende doppelte dann die «NZZ am Sonntag» nach und berichtete über Anstrengungen des Bakom, die TV-Quoten öffentlich zu machen.

Beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) wird geprüft, ob Mediapulse zur Veröffentlichung der TV-Zahlen gezwungen werden kann oder ob auch eine andere Stelle zu Veröffentlichung der Zahlen berechtig ist. 

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Rücktritt überfällig

Die Situation wird für Mediapulse immer unangenehmer. Jetzt geht es nicht mehr nur um die Gewichtung der Mess-Panels in den Städten und auf dem Land  oder um die allgemeine Plausibilität. Nein, jetzt sind die neue Messmethode und die TV-Quoten ein Fall für Richter und die Bundesverwaltung.

An der Einschätzung von «handelszeitung.ch» vom 19. Februar hat sich nichts geändert: Der Rücktritt der Mediapulse-Verantwortlichen ist überfällig, denn auch die letzten acht Wochen haben sie auf Tauchstation verbracht – und die Situation alles andere als entschärft.