Der Verwaltungspräsident der Grossbank UBS, Axel Weber, hat vor den Gefahren einer zu starken Regulierung der Finanzbranche gewarnt. Sollte die Branche zu eng an die Kette gelegt werden, könnte könnte dies langfristig Investitionen in Unternehmen und Infrastruktur abwürgen. «Wer sollen die langfristigen Investoren sein», sagte der frühere Bundesbank-Chef am Mittwoch in einer Diskussion auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Banken und Versicherer ringen derzeit weltweit mit den Aufsehern über die Details der strengeren Regeln für die Branche, die durch die Finanzkrise notwendig geworden sind.

Bank-Vertreter hatten zuletzt immer wieder betont, dass zu strenge Auflagen zu einer Kreditklemme führen könnten. Anfang Januar hatte die Finanzbranche einen Teilerfolg erzielt: Die Aufseher beugten sich dem Druck der Banken und weichten die Vorgaben für den ab 2015 neu geplanten Liquiditätspuffer auf und verlängerten die Fristen für die Einführung. Derzeit geistern viele Vorschläge zur Regulierung der Bankbranche durch die Welt. Diese sind aber grösstenteils noch nicht umgesetzt, beziehungsweise es wird über deren Details verhandelt.

Staaten uneinig über Vorgehen

Die Staaten sind sich dabei untereinander selbst nicht einig. So wollen zum Beispiel Grossbritannien oder die Vereinigten Staaten nicht so weit gehen wie Deutschland oder Frankreich. Die Regierungen haben zudem das Problem, dass ausgerechnet Banken, Versicherer und Investmentfonds zu den grössten Abnehmern von Staatsanleihen gehören und sie damit auch von deren Investitionen abhängig sind. Gerade in Europa fordern daher viele Experten vor allem längere Fristen bei der Einführung der neuen Regeln sowie international einheitliche Standards.

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Die Finanzbranche tritt bei den Gesprächen einheitlicher auf, ist aber auch nicht immer einer Meinung. So beklagte der Chef des grössten britischen Versicherers Prudential , Tidjane Thiam, in der selben Runde in Davos die Unvereinbarkeit von Auflagen der verschiedenen Finanzbranchen. So müssten Banken einerseits ihr Eigenkapital aufstocken. Andererseits dürften Versicherungen als deren grösste Anteilseigner ihre Beteiligungen aber nicht erhöhen und nur in Geldhäuser mit Spitzenrating investieren. Damit würden sich die Regulierungsansätze gegenseitig blockieren.

Thiam widersprach zudem Webers Forderung nach weltweit einheitlichen Standards für die Finanzwelt. Die Anforderungen und Rahmenbedingungen in Industrieländern und wachsenden Märkten seien zu unterschiedlich, um überall die selben Instrumente anzuwenden.

(tke/rcv/sda)