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Über 220 Verletzte bei Protesten gegen EZB

Bei den Protesten gegen die Eröffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt sind über 220 Menschen verletzt worden. Die Organisatoren von Blockupy haben sich von der Gewalt einiger Demonstranten distanziert.

Veröffentlicht am 18.03.2015

Krawalle und Chaos in Frankfurt: Proteste des linken Blockupy-Bündnisses zur offiziellen Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) laufen aus dem Ruder und führen zu schweren Ausschreitungen. Über 220 Personen wurden verletzt, darunter fast 100 Polizisten.

Die Proteste begannen am frühen Morgen im Umkreis der hermetisch abgeriegelten EZB-Türme und schlugen schnell in massive gewaltsame Auseinandersetzungen um - Stunden vor einem Festakt zur offiziellen Eröffnung des imposanten EZB-Baus. Demonstranten warfen Pflastersteine und Feuerwerkskörper gegen Polizisten. Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken und nahm etliche Personen fest. Überall in dem Stadtteil brannten Mülltonnen, Reifen oder Polizeiautos.

Rauch über der Stadt

Rauchschwaden zogen über das Mainufer, in der Luft lag der beissende Geruch von Tränengas. Feuerwehrwagen und Strassenbahnen seien mit Steinen attackiert, die Feuerwehr, die zu dutzenden Einsätzen ausrückte, am Löschen gehindert worden, teilte die Polizei mit.

Die Proteste legten zeitweise die gesamte Frankfurter Innenstadt lahm: Busse und Strassenbahnen fuhren nicht, Schulen und Kindergärten waren geschlossen. Auch Strassen und Main-Brücken waren gesperrt. Nach Angaben der Polizei versuchten rund 3000 Demonstranten, das EZB-Gelände zu stürmen, wurden aber von den Beamten gestoppt. Auch ein Polizeirevier wurde angegriffen. Insgesamt waren laut Blockupy etwa 6000 Aktivisten unterwegs, davon 1000 aus dem Ausland.

Friedliche Kundgebung am Nachmittag

Nach den Ausschreitungen am Morgen beruhigte sich die Lage nach Angaben der Polizei bis zum frühen Nachmittag. In der Innenstadt kamen mehrere tausend Menschen zu einer Kundgebung und einem anschliessenden Demonstrationszug zusammen.

Die Polizei zählte rund 17'000 Menschen, die sich nach der dreistündigen Hauptkundgebung auf dem Frankfurter Römerberg zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt formierten. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: «Je suis Greece. Keine Macht der Troika» und «Die Krise heisst Kapitalismus».

Gewalt verurteilt

Blockupy-Sprecher Ulrich Wilken, der einen «bunten Protest» angekündigt hatte, zeigte sich «entsetzt und bestürzt» angesichts der Gewalt am Morgen. «Das ist nicht das, was wir geplant haben». Gleichzeitig äusserte er Verständnis «für die Wut und die Empörung» der Demonstranten auf die EZB-Politik. Mitorganisator Christoph Kleine sprach aber auch von einer «massiven Polizeibrutalität».

Die Zentralbank ist einer der entscheidenden Akteure bei der Bewältigung der Finanz- und Schulden-Krise, die in vielen Euro-Ländern hohe Jugendarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Probleme zur Folge hatte.

Draghi sieht EZB zu Unrecht kritisert

Polizeigewerkschaften sehen in den Ausschreitungen eine neue Dimension der Gewalt. Auch zahlreiche Politiker kritisierten das Verhalten der Demonstranten. Das Ausmass der Gewalt spreche dafür, dass solche Aktionen seit langem geplant gewesen seien, sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière. Der Bundestag wollte sich am Donnerstag mit dem Krawalltag in Frankfurt befassen.

In seiner Rede beim Festakt vor rund 100 ausgewählten Gästen ging EZB-Präsident Mario Draghi auch auf die Demonstranten und die vielen unzufriedenen Menschen im Euroraum ein, die in den vergangenen Krisenjahren Einkommen und Wohlstand verloren hätten.

Als eine Institution der Europäischen Union, die eine zentrale Rolle in der Krise gespielt hat, sei die EZB in den Fokus der Frustrierten geraten, sagte Draghi. «Möglicherweise ist dieser Vorwurf nicht fair. Denn unser Handeln zielte genau darauf ab, die wirtschaftlichen Schocks abzufedern.»

(sda/gku)

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