1. Home
  2. Politik
  3. Ukrainische Truppen beginnen Offensive

Krieg
Ukrainische Truppen beginnen Offensive

Bürgerkrieg: Ukrainische Freiwillige während der Ausbildung nahe Mariupol. Keystone

Nahe der Hafenstadt Mariupol haben ukrainische Truppen eine Offensive gegen Separatisten gestartet. Russland seinerseits beginnt mit Manövern im Süden und der Krim.

Veröffentlicht am 10.02.2015

Einen Tag vor dem geplanten Ukraine-Gipfel in Minsk haben ukrainische Truppen nahe der Hafenstadt Mariupol im Südosten des Landes eine Offensive gegen prorussische Separatisten begonnen.

Sicherheitsratssekretär Alexander Turtschinow sei selbst in der Region, um die Truppen der Nationalgarde zu führen, teilte der Nationale Sicherheitsrat im Dienstag in Kiew mit. Auch das Freiwilligenregiment Asow beteiligte sich nach eigener Darstellung an dem Vorstoss. Drei Ortschaften seien am Morgen von den Aufständischen befreit worden, teilte die Einheit mit.

Gipfel in Minsk - Zustandekommen unsicher

Am diesem Mittwoch soll in der weissrussischen Hauptstadt Minsk bei einem Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel und den Präsidenten Petro Poroschenko ( Ukraine), Wladimir Putin (Russland) und François Hollande (Frankreich) ein neuer Waffenstillstand ausgehandelt werden. Das Treffen gilt als entscheidend für die Zukunft der Ukraine. Dass es zustande kommt, ist noch nicht garantiert.

Nach jüngsten Geländegewinnen der Separatisten hatten Vertreter der Regierungstruppen immer wieder Unzufriedenheit mit der Militärführung geäussert. Es gebe schwere Kämpfe mit dem Einsatz von Panzerwagen, hiess es am Dienstag.

Auch die Aufständischen sprachen von erbitterten Gefechten. «Wir schliessen eine Gegenoffensive nicht aus, aber das steht für uns jetzt nicht an obersten Stelle», sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin.

In der von den Aufständischen gehaltenen Grossstadt Donezk starben bei Artilleriebeschuss mindestens zwei Zivilisten. Zwölf Menschen seien verletzt worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Aufseiten der Regierungstruppen gebe es 7 Tote und 23 Verletzte, sagte der Sprecher des Generalstabs in Kiew, Wladislaw Selesnjow.

Russland: Manöver im Süden und auf Krim

Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, rund 2000 Spähtrupp-Soldaten hätten ein Manöver in Südrussland begonnen. Es sei für einen Monat angesetzt. Russlands südlicher Militärbezirk grenzt an die Ukraine. Auch auf der von Russland annektierten Krim hätten mehr als 600 Soldaten eine Militärübung gestartet, meldete die Nachrichtenagentur Ria unter Berufung auf die Schwarzmeerflotte. Eine erhöhte Aktivität des russischen Militärs an der Grenze zur Ukraine war im Westen zuletzt kritisiert worden.

Merkel und US-Präsident Barack Obama verständigten sich am Montag darauf, zunächst weiter auf eine diplomatische Lösung des Konflikts zu setzen. Merkel schliesst Waffenlieferungen aus, Obama bezeichnete sie als eine der Optionen, die geprüft würden, sollte es in Minsk zu keiner Einigung kommen.

Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak sagte unterdessen dem Radiosender Jedynka, die Lieferung von Waffen sei die letzte Option. «Man sollte sie tunlichst vermeiden», ergänzte er mit Verweis auf eine mögliche weitere Eskalation des Konflikts. Die Zeitung «Gazeta Wyborska» zitierte Siemoniak mit den Worten, Polen habe keine Pläne, schweres Militärgerät in die Ukraine zu schicken.

Das ukrainische Militär teilte mit, die Kämpfe im Osten hielten an. Ein Schwerpunkt bleibe der strategisch wichtige Ort Debalzewe unweit von Donezk. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien sieben Soldaten getötet und 23 weitere verletzt worden.

(sda/reuters/chb)

Anzeige