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Krieg
Ukrainische Truppen geben Flughafen Lugansk auf

Ukaine: Soldaten der Staatsmacht beim Beschuss von Lugansk.

Ukrainische Soldaten haben den Flughafen Lugansk vorerst aufgegeben. Sie wurden offenbar von einem russischen Panzerbataillon zu diesem Schritt gezwungen.

Veröffentlicht am 01.09.2014

Nach Kämpfen mit einem russischen Panzerbataillon haben ukrainische Soldaten nach Angaben aus Kiew den Flughafen Lugansk aufgegeben. Die Soldaten hätten sich vom Flugfeld und dem nahe gelegenen Ort Georgijiwka in der Ostukraine zurückgezogen, sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko.

Der ukrainische Militärsprecher Leonid Matjuchin hatte zunächst mitgeteilt, ukrainische Fallschirmjäger seien im Einsatz, um den Flughafen Lugansk gegen russische Panzer zu verteidigen. Lyssenko erklärte später, die ukrainischen Truppen seien unter Artilleriebeschuss russischer Streitkräfte geraten.

Angesichts der «Präzision» der Angriffe sei klar, dass «professionelle Artillerietruppen» der russischen Armee beteiligt seien. Nach stundenlangen Gefechten hätten sich die ukrainischen Soldaten schliesslich zurückgezogen.

Der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej hatte am Sonntagabend dem Fernsehsender Inter gesagt, dass russische Truppen in Donezk und Lugansk präsent seien. Die Ukraine kämpfe gegen Russland, und Russland entscheide, was in der Donbass-Region passiere, sagte der Minister mit Blick auf die Gegend von Donezk und Lugansk.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte, dass sich die Situation in den vergangenen Tagen verschlechtert habe und es eine «direkte und offene Aggression des Nachbarstaates gegen die Ukraine» gebe. Die ukrainische Armee hatte angesichts der Blitzoffensive der Separatisten in den vergangenen Tagen zahlreiche Stellungen aufgeben müssen.

Tausende russische Soldaten in der Ukraine

Moskau wies derweil alle Vorwürfe einer Militärintervention zurück. «Es wird keine Militärintervention geben», betonte Aussenminister Sergej Lawrow. Moskau trete «einzig für eine friedliche Beilegung dieser schweren Krise, dieser Tragödie» ein.

Dagegen sollen laut einer russischen Menschenrechtsorganisation in den vergangenen zwei Monaten bis zu 15'000 russische Soldaten in die Ukraine geschickt worden sein. Mehrere hundert von ihnen seien bereits gefallen, sagte die Präsidentin des Komitees der Mütter russischer Soldaten, Valentina Melnikowa, der Nachrichtenagentur AFP.

Der russische Präsident Wladimir Putin warf Europa indes vor, «direkte Angriffe» der ukrainischen Armee auf Zivilisten in der Ostukraine zu ignorieren. Das ukrainische Militär ziele «direkt auf Wohngegenden», sagte Putin laut russischen Medienberichten. Ziel der Separatisten hingegen sei es, die ukrainische Armee zurückzudrängen und den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Erstmals äusserte sich Putin auch zu den angedrohten neuen EU-Sanktionen. Er hoffe, dass sich «der gesunde Menschenverstand» durchsetze, beide Seiten «normal» zusammenarbeiteten und sich nicht gegenseitig schadeten.

Separatisten wollen Sonderstatus

Beflügelt durch ihre Erfolge im Kampf gegen die ukrainische Armee haben die prorussischen Separatisten beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe auf einen Sonderstatus für die Ostukraine gepocht. Bei einem vierstündigen Gespräch in der weissrussischen Hauptstadt Minsk tauschten die Konfliktparteien am Montag Positionspapiere aus.

Diese sollten geprüft werden, und die Gespräche könnten an diesem Freitag fortgesetzt werden, sagte Separatistenführer Andrej Purgin russischen Agenturen zufolge. Putin sprach im Vorfeld vom Beginn «wichtiger direkter Verhandlungen». Am Treffen nahmen auch Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teil.

Die Aufständischen wollten bisher einen unabhängigen Staat «Noworossija» (Neurussland). Sie stellten in einem vor dem Treffen bekannt gewordenen Positionspapier mit neun Punkten Bedingungen an Kiew: Sie fordern unter anderem ein Ende des ukrainischen Militäreinsatzes, einen Waffenstillstand und die Freilassung aller Gefangenen. Zu den Details des Papiers äusserte sich Purgin nicht.

(sda/chb)

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