Knapp zwölf Wochen nach dem Urteil tritt Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeness heute seine Haftstrafe an. Das berichtet die «Bild»-Zeitung. Hoeness war im März wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der Prozess hatte nur vier Tage gedauert. Vor Gericht hatte sich herausgestellt, dass die ursprünglich zur Anklage stehende Summe von rund 3,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern bei weitem übertroffen wurde. Hoeness musste eine Summe von 28,5 Millionen Euro zugeben. Die Selbstanzeige, die Hoeness ein Jahr zuvor gestellt hatte, wurde daraufhin für unzureichend erklärt. Er verzichtete darauf, gegen das Urteil Revision einzulegen.

Letzter Auftritt bei Meister-Feier

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Hoeness am 10. Mai auf der Meisterfeier vom FC Bayern. Er wird seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech absitzen, auch unter dem Namen «bayrisches Alcatraz» bekannt.

Zunächst muss Hoeness seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haftende. Hoeness könnte bei guter Führung nach Verbüssung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016.

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Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeness bereits nach rund 10 Monaten geschlossenem Vollzug, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen. Ausgang, Urlaub und Freigang würden dazugehören. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.

Juritische Schritte gegen Haft in Landsberg

Hoeness war juristisch gegen die Verbüssung der Haft im Gefängnis von Landsberg am Lech vorgegangen. Er sah seine Privatsphäre verletzt, weil die Justiz Ende März mehr als 150 Journalisten das dortige Gefängnis gezeigt und sogar Haftzellen geöffnet hatte.

Ausserdem befürchtete der prominente Gefangene, dass Mithäftlinge oder Justizbeamte Details vom Alltag hinter Mauern des ehemals wohl mächtigsten Mannes im deutschen Fussball ausplaudern könnten. Der Antrag von Hoeness auf Absitzen der Haftstrafe in einem anderen Gefängnis wurde aber offensichtlich abgewiesen. Den Medientermin in Landsberg hatte auch Ministerpräsident Horst Seehofer mit Verweis auf die Privatsphäre von Hoeness kritisiert und dafür seinen Justizminister Winfried Bausback gerüffelt.

Mitte Mai wurde bekannt, dass ein ehemaliger Häftling Hoeness zu erpressen versuchte. Der Mann hatte dem 62-Jährigen mit Problemen im Gefängnis gedroht. Bei der geplanten Geldübergabe wurde er gefasst.

(me/sda)