Ungarns rechtskonservative Regierung braucht Geld und hat deshalb ein Auge auf die schweizerischen Konten der eigenen Bürger geworfen. Die dort vermuteten Euro-Milliarden sollen einer einmaligen 35-prozentigen Quellensteuer unterworfen werden, berichteten ungarische Medien.

Griff zu «geheimdienstlichen Mitteln»

Zur Lokalisierung dieser vermeintlichen Schätze sollen auch «geheimdienstliche Mittel» eingesetzt werden, zitierten die Medien den Staatssekretär im Ministerpräsidentenamt, Janos Lazar.

Nach Angaben des Politikers sollen rund 3,4 Milliarden Euro auf Konten lagern, die ungarische Bürger im Ausland eröffnet hätten, um Steuern zu hinterziehen. Experten ziehen diese Schätzung allerdings in Zweifel. «Niemand weiss wirklich, wie viel Geld ungarischer Bürger im Ausland halten», meinte der Analyst György Zdeborsky im Fernsehsender ATV. Die Landeswährung Forint sei konvertibel, die Ungarn könnten ihr Geld anlegen, wo sie wollen, fügte er hinzu.

Nach dem geltenden Doppelbesteuerungsabkommen führt die Schweiz von Konteninhabern mit ungarischem Wohnsitz eine Quellensteuer auf die Zinserträge an Ungarn ab. Die Inhaber der Konten bleiben dabei anonym.

Die Tageszeitung «Nepszabadsag» zitierte einen Sprecher der Eidgenössischen Steuerverwaltung, der erklärte, dass die Schweiz Bankkundendaten nicht generell an andere Staaten weitergebe. Lediglich beim Vorliegen strafrechtlich relevanter Verdachtsmomente würden die Daten der betreffenden Konteninhaber übermittelt.

(muv/awp)