Das schwer unter der Schuldenkrise leidende Griechenland ist nach Uno-Einschätzung durch immer weiter steigende Flüchtlingszahlen überfordert und braucht dringend Unterstützung. Seit Jahresbeginn kamen rund 160'000 Migranten nach Griechenland. Allein im Juli waren es rund 50'000 Menschen – etwa 7000 mehr als im gesamten vergangenen Jahr

Dies teilte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge stammen demnach aus Syrien, 14 Prozent waren Afghanen und 3 Prozent Iraker. Die allermeisten Neuankömmlinge dürften als Flüchtlinge anerkannt werden, sagte UNHCR-Sprecher William Spindler.

Uno warnt seit Monaten

«Wir warnen seit Monaten, dass die Flüchtlingskrise in Griechenland immer schlimmer wird», sagte Spindler weiter. «Die Infrastruktur für Aufnahme, Betreuung und Registrierung auf den griechischen Inseln und auf dem Festland muss dringend gestärkt werden.»

Die Uno-Organisation rät der Regierung in Athen, ein Sondergremium zu schaffen, das alle Aktivitäten zur Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge koordiniert. «Europäische Staaten sollten Griechenland dabei unterstützen», fordert das UNHCR.

Die Behörden auf den Inseln sind von dem Andrang völlig überfordert. Viele Flüchtlinge leben oft wochenlang an den Stränden und auf den Strassen, bevor sie schliesslich registriert werden und nach Athen weiterreisen können. Die meisten Flüchtlinge bleiben aber nicht in Griechenland, sondern reisen über den Balkan weiter nach Mittel- und Nordeuropa, wo sie sich bessere Arbeits- und Lebenschancen erhoffen.

Anzeige

Millionen Flüchtlinge in der Türkei

Die türkische Regierung teilte ihrerseits am Montagabend mit, innerhalb eines Monats seien mehr als 18'000 Flüchtlinge in der Ägäis gerettet worden. Allein in der Woche vom 10. bis zum 17. August waren es demnach knapp 5300 Menschen. Seit Jahresbeginn liegt die Zahl bei über 36'000 und damit höher als im gesamten vergangenen Jahr.

Die Türkei bietet fast zwei Millionen syrischen Flüchtlingen und rund 225'000 Irakern Zuflucht. Trotz der günstig erscheinenden Jahreszeit sei die Überfahrt in kleinen Booten lebensgefährlich, warnte die Regierung.

Am Dienstag ertranken fünf Flüchtlinge, als ihr überladenes Boot auf dem Weg von Bodrum auf die griechische Insel Kos kenterte. 24 Insassen seien von der Küstenwache gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Schleuser in Italien festgenommen

Die italienischen Behörden nahmen nach dem Tod von 49 Migranten im Mittelmeer mehrere mutmassliche Schleuser fest. Die acht jungen Männer, darunter ein Minderjähriger, stammen aus Marokko, Libyen und Syrien, wie die Staatsanwaltschaft Catania am Dienstag mitteilte. Ihnen wird Förderung illegaler Einwanderung und mehrfacher Totschlag vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am Montag die Ermittlungen eingeleitet. Nach Zeugenaussagen von Überlebenden wurden die mutmasslichen Schleuser identifiziert.

Flüchtlinge erstickt

Die 49 Flüchtlinge waren am Wochenende vermutlich im Laderaum eines Fischerbootes erstickt. Mehr als 300 Menschen konnten gerettet werden. Den Festgenommenen wird laut Nachrichtenagentur Ansa vorgeworfen, die Menschen an Bord auch mit Tritten und Schlägen am Verlassen des Frachtraums gehindert zu haben. Es soll sich bei den acht Männern um den Kapitän und die Besatzungsmitglieder des Fischerbootes handeln.

Anzeige

(sda/mbü/ama/chb)