Es handelte sich um eine der schlimmsten Gräueltaten des Assad-Regimes seit Ausbruch der Proteste vor 15 Monaten. Robert Mood, der Chef der UNO-Beobachtermission in Syrien, sprach am Samstag vor den Medien in Damaskus von einer «brutalen Tragödie».

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan verurteilten das «schreckliche und brutale Verbrechen» aufs Schärfste. Dies stelle eine klare Verletzung internationalen Rechts dar, heisst es in einer gemeinsamen Erklärung Bans und Annans.

Nabil al-Arabi, der Generalsekretär der Arabischen Liga, bezeichnete das Geschehene als «grauenhaftes Verbrechen». Das staatliche syrische Fernsehen zeigte Aktivisten-Videos von den Opfern und behauptete, die Dorfbewohner seien von «terroristischen Banden» massakriert worden.

Die Informationen über den massenhaften Tod der Zivilisten in Hula drangen am Samstag zunächst bruchstückhaft an die Öffentlichkeit. Laut dem Exil-Aktivisten Ahmed Kassem schlugen die ersten Granaten mitten in die wöchentliche Protestkundgebung unbewaffneter Bürger nach dem Freitagsgebet ein. Bereits dies habe ein grosse Zahl an Opfern gefordert.

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Danach hätten die Truppen die Wohnhäuser Taldos unter Feuer genommen. Hunderte Granaten und Raketen sollen niedergegangen sein. Kassem widersprach auch ersten Darstellungen aus Exil-Kreisen, wonach viele Zivilisten von regimetreuen Freischärlern mit Schusswaffen und Messern niedergemetzelt worden wären.

Von Aktivisten ins Internet gestellte Videos zeigten zerfetzte und blutige Leichen von Familien mit Kindern in verschiedenen Wohnräumen. Aus Angst vor weiteren Angriffen setzte eine Massenflucht aus Taldo ein.

Waffenruhe vor dem Ende

Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des UNO-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichen für das mutmassliche Massaker festzustellen. Die Freie Syrische Armee (FSA) forderte die UNO dazu auf, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und die Gewalt in Syrien zu stoppen. Täte sie dies nicht, fühle sich die FSA nicht mehr weiter an die geltende Waffenruhe gebunden, hiess es in einer Erklärung der Rebellen-Streitkraft.

Auch die Aussenminister Deutschlands, Grossbritanniens und Frankreichs forderten Konsequenzen. «Wir haben eilige Beratungen mit unseren Verbündeten aufgenommen mit Blick auf eine harte internationale Reaktion», erklärte William Hague in London. Die britische und die französische Regierung wollen eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates «in den kommenden Tagen» beantragen.

Töten auch in anderen Städten

Doch ungeachtet der empörten Reaktionen der internationalen Gemeinschaft ging das Sterben auch in anderen Teilen Syriens weiter. Nach Angaben von Aktivisten kamen bei Angriffen der Regierungstruppen 47 Menschen ums Leben. Darunter seien auch 18 fahnenflüchtige Soldaten, meldeten die Regimegegner.

Sieben dieser Soldaten seien in Aleppo erschossen worden, als sie versuchten, sich von der Truppe zu entfernen. In der Provinz Idlib seien die Leichen von zehn weiteren Deserteuren gefunden worden. Die Soldaten seien alle durch Kopfschüsse getötet worden. In Idlib und im Grossraum Damaskus habe es insgesamt die meisten Opfer gegeben.

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In Syrien unterdrückt das Assad-Regime seit fast 15 Monaten mit brutaler Gewalt eine anfangs friedliche Protestbewegung, die inzwischen stellenweise in einen bewaffneten Aufstand umgeschlagen ist. Die etwas mehr als 250 UNO-Beobachter sind seit Mitte April unbewaffnet im Land.

(chb/sda)