1. Home
  2. Politik
  3. US-Abhörskandal führt in die Schweiz

NSA
US-Abhörskandal führt in die Schweiz

Edward Snowden: Er kam 2007 unter Diplomatenschutz nach Genf. (Bild: Keystone/Guardian/Glenn Greenwald/Laura Poitras)

Ursprung der Enthüllungen zum Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes ist Edward Snowden. Einst in Genf ansässig, hofft er nun in Hongkong auf politisches Aysl.

Veröffentlicht am 10.06.2013

Der Mann, der am Ursprung der Enthüllungen eines Überwachungsprogrammes des US-Geheimdienstes NSA steht, hat in der Schweiz gearbeitet. Edward Snowden kam 2007 unter Diplomatenschutz nach Genf, wo er für das CIA tätig war und Zugang zu klassifiziertem Material hatte.

Dort habe er als Angestellter im Bereich IT-Sicherheit zum ersten Mal das Verlangen verspürt, an die Öffentlichkeit zu bringen, was er über das NSA-Programm der Internet-Überwachung wusste, sagte der 29-Jährige im Gespräch mit der Zeitung «Guardian».

«Vieles, was ich in Genf sah, hat mich desillusioniert»

Zuvor war er durch die CIA engagiert worden. Dank seiner Kenntnisse des Internets und seines Talents im Bereich der Computer-Programmierung stieg er dort rasch auf.

Angewidert davon, was er dort entdeckte, erwog er, die Existenz jener Programme aufzudecken, die «einen Missbrauch» der Öffentlichkeit im Namen der Sicherheit darstellten.

«Vieles davon, was ich in Genf sah, hat mich wirklich desillusioniert darüber, wie meine Regierung arbeitet und was ihr Einfluss auf die Welt ist», sagte er der Zeitung.

Er habe aber die Wahl von Barack Obama im Jahr 2008 abgewartet, in der Hoffnung, der neue Präsident würde einen besseren Schutz vor solchen Praktiken durchsetzen. Aber «er führte die Politik seiner Vorgänger fort», begründete Snowden seine Aktion.

2009 verliess er die CIA und arbeitete für ein privates Unternehmen, das ihn mit einer Funktion bei einem NSA-Standort auf einer Militärbasis in Japan beauftragte.

Flucht nach Hongkong

Snowden war vor drei Wochen nach Hongkong geflüchtet. Die frühere britische Kronkolonie gehört zu China, ist aber eine Sonderverwaltungszone und hat ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Die «Washington Post» berichtete unter Berufung auf Experten, dass ein Auslieferungsverfahren aber Monate, wenn nicht Jahre dauern könnte.

In Washington wurden die ersten Stimmen laut, Snowden ausliefern zu lassen. Der republikanische Kongressabgeordnete Peter King forderte, dass gegen den 29-jährigen Informanten ein Strafverfahren «im vollsten Ausmass des Gesetzes» eingeleitet werden müsse.

Das Weisse Haus gab zunächst keinen Kommentar ab. Das Büro des Nationalen Geheimdienstkoordinators James Clapper erklärte am Sonntagabend (Ortszeit), dass das Justizministerium eingeschaltet worden sei.

(vst/chb/sda)

Anzeige