Dabei wendet die Genfer Privatbank Pictet gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» ein System an, mit dem die US-Kunden und ihre Vermögen automatisch der amerikanischen Steuerbehörde IRS zugänglich gemacht werden. Die Kunden werden vor die Wahl gestellt: Entweder sie belegen umgehend, dass ihre Vermögen ordnungsgemäss versteuert sind.

Oder aber ihnen wird mindestens eine US-Wertschrift ins Depot gelegt. Grund: Eine solche Transaktion, etwa der Kauf einer Aktie oder einer Obligation, wird jeweils mit einem Identifikationscode versehen, der automatisch in die USA übermittelt wird.

Nicht nur Pictet durchleuchtet ihre US-Kunden

Im Fall von Pictet gelangt der Code gemäss Bericht zur New Yorker Bank Brown Brothers Harriman, Depotbank von Pictet in den USA. Dort hat der IRS freien Zugang zu den Steuerinformationen. Falls die Kunden weder eine Deklaration vorlegen noch US-Wertschriften in ihrem Depot haben wollen, werden die Geschäftsbeziehungen durch Pictet aufgelöst.

Die Bank Pictet bestätigt, dass die Instruktionen für US-Kunden Anfang 2012 erlassen wurden. Nicht nur Pictet durchleuchtet ihre US-Kunden: Auch ein grösseres Zürcher Privatinstitut, eine Grossbank sowie die Migros-Bank konfrontieren ihre verbleibenden US-Kunden mit vergleichbaren Systemen via Wertschriftentransaktion.

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Bank kritisiert Berichterstattung

In einer Stellungnahme zur Sonntagspresse bezeichnet die Bank Pictet die Bericht als «zum Teil falsch und irreführend». «Im Gegensatz zu den Anspielungen in den Sonntagszeitungen verlangt die Bank vom Kunden nicht den Kauf von US-Titeln, was automatisch eine Meldung an das IRS, die US-Steuerverwaltung, zur Folge hätte», so die Mitteilung.

Unter anderem stehe ihm zur Wahl, entweder das Formular «Foreign Bank Account Reporting» zu unterzeichnen, eine Bestätigung eines Treuhänders beizubringen, der für ihn die US-Steuererklärung ausfüllt - oder eben der Kauf von US-Titeln. «Mit dieser Entscheidung ist Pictet weitergegangen, als es die US-Gesetze verlangen», so die Bank.

Überdies weist die Bank alle Anspielungen der Sonntagszeitungen, dass diese Massnahmen nach Bekanntwerden der vom District Court von Arizona aufgegriffenen Angelegenheit getroffen worden sind, entschieden zurück.

(aho/vst)