Mutmassliche Dschihadisten haben vorübergehend die Konten des US-Militärkommandos Centcom bei den Internetdiensten Twitter und YouTube gekapert und interne Dokumente veröffentlicht. Das Pentagon bestätigte den Angriff. Laut Centcom wurden aber keine Geheimdokumente ins Netz gestellt.

Statt des Centcom-Logos war am Montag ein schwarz-weisses Banner mit dem Slogan «CyberCaliphate» sowie in Anspielung auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) der Schriftzug «I love you Isis» zu sehen. Das Militärkommando steuert den Einsatz gegen den IS im Irak und in Syrien.

Armeedokumente online gestellt

«Der IS ist schon hier, wir sind in Euren Computern, in jedem Militärstützpunkt», schrieben die Hacker auf dem Twitter-Konto, bevor es gesperrt wurde. «Amerikanische Soldaten, wir kommen, passt auf.»

Die Angreifer stellten auch interne Armeedokumente online, darunter eine offenbar veraltete Liste mit den privaten Telefonnummern von Offizieren sowie Folien der Präsentationssoftware Powerpoint mit Bezug auf Nordkorea und China.

Propaganda-Videos auf Youtube

Im Online-Videodienst YouTube luden die Hacker zwei Propaganda-Videos des IS hoch. Auch dieses Konto wurde nach dem Angriff gesperrt. Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums bestätigte, dass die Auftritte gehackt wurden. «Wir haben angemessene Massnahmen eingeleitet, um mit der Angelegenheit umzugehen», hiess es.

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Später erklärte Centcom, nach ersten Erkenntnissen seien «keine als geheim eingestuften Dokumente veröffentlicht» worden. Ausserdem seien die veröffentlichten Dokumente nicht von den eigenen Centcom-Servern genommen worden.

«Cybervandalismus»

Das Ganze sei als «Cybervandalismus» einzustufen und habe keine «operationelle Auswirkung». Auch Pentagon-Sprecher Steven Warren stellte klar: «Centcom ist nicht gehackt worden, Twitter ist gehackt worden.» Der Angriff sei nicht mehr als ein Cyber-Streich.

Ähnlich äusserte sich das Weisse Haus. Es sei ein entscheidender Unterschied, ob umfangreich sensibles Datenmaterial gestohlen oder «ein Twitter-Konto gehackt» werde, sagte Regierungssprecher Josh Earnest vor Journalisten. Das Ausmass des Vorfalls werde gründlich ermittelt, versicherte er. Einige Dokumente trugen zwar interne Vermerke, jedoch ist das meiste Material nach Angaben von US-Vertretern online frei zugänglich.

Luftangriffe werden fortgesetzt

Die IS-Miliz hatte im Sommer weite Regionen in Syrien und im Irak erobert. Die Dschihadisten errichteten in den von ihnen kontrollierten Gebieten einen islamischen Gottesstaat und wollen dort eine kompromisslose Auslegung der religiösen Gesetze der Scharia durchsetzen. Die USA begannen im August mit Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak, im September wurde der Einsatz auf Syrien ausgeweitet.

An der «Operation Inherent Resolve» getauften Mission beteiligen sich in Syrien Kampfflugzeuge aus Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Irak unterstützen Australien, Belgien, Grossbritannien, Kanada, Dänemark, Frankreich und die Niederlande die Luftangriffe.

(sda/gku/chb)