Der einflussreiche US-Senator John McCain hat Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier in scharfen Worten angegriffen. Er reagierte damit auf Kritik von Steinmeier an McCain und 46 weiteren republikanischen Senatoren, weil diese in einem Schreiben an den Iran die Atomverhandlungen der US-Regierung in Zweifel zogen.

«Der deutsche Aussenminister ist derselbe Typ, der es mit seiner Regierung ablehnt, dem Vorgehen (des russischen Präsidenten) Wladimir Putins, der in diesem Moment Ukrainer abschlachtet, irgendwelche Schranken zu setzen», erklärte der ehemalige Präsidentschaftskandidat vor Journalisten in Washington. «Er ist nicht glaubwürdig.»

Vergleich mit Nazi-Zeit

McCain warf Steinmeier vor, ein Anhänger der Beschwichtigungspolitik zu sein, mit der die britische Regierung in den 30er Jahren vergeblich versuchte, durch Zugeständnisse an Hitler einen Krieg in Europa abzuwenden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erntete scharfe Kritik. Sie habe bei der Münchner Sicherheitskonferenz Unsinn erzählt, sagte McCain. «Sie haben die Krim inzwischen stillschweigend aufgegeben, sie haben die Ostukraine stillschweigend aufgegeben», sagte er.

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Der russische Präsident Wladimir Putin werde weiter auf Mariupol vorrücken lassen. Merkel habe alles abgelehnt, «was mann sinnvoll tun könnte, um seine Aggression zu stoppen». McCain verglich die Situation mit der Nazi-Zeit. «Es ist ein schändliches Kapital der Geschichte, und es ist eine Wiederholung der 30er Jahre». McCain ist bekannt für seine markigen Worte, mit denen er immer wieder für Eklats sorgt.

Offener Brief der US-Republikaner

Die Republikaner hatten versucht, die von Präsident Barack Obama angestrebte Einigung im jahrelangen Streit über das iranische Atomprogramm zu unterlaufen. Die Senatoren erklärten in einem offenen Brief an die Führung der Islamischen Republik, dass mögliche Abkommen ohne Ratifizierung durch den Kongress nach Ende der Präsidentschaft Obamas Anfang 2017 rückgängig gemacht werden könnten.

(reuters/dbe/moh)