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G20-Treffen
USA bieten EU und Japan Freihandel an

Handelsstreit
Audi-Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns stehen im Hafen von Emden zur Verschiffung bereit. Quelle: Keystone

Am G20-Treffen der Finanzminister zeigen sich die USA im Handelsstreit gesprächsbereit. Frankreich hält jedoch dagegen.

Veröffentlicht am 23.07.2018

Im internationalen Handelsstreit haben sich die USA gegenüber Europa und Japan gesprächsbereit gezeigt. Beim Treffen der G20-Finanzminister in Buenos Aires am Wochenende schlug Finanzminister Steven Mnuchin erneut vor, die Handelsbarrieren innerhalb der Gruppe der sieben traditionellen Industriestaaten (G7) fallenzulassen.«Wenn Europa an den Freihandel glaubt, sind wir bereit, ein Freihandelsabkommen zu unterzeichnen.» Es gebe allerdings drei Bedingungen: die Abschaffung von Zöllen, Handelsbarrieren und Beihilfen.

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Frankreich hielt dagegen: Bevor sich die EU zu Handelsgesprächen bereiterkläre, müsste US-Präsident Donald Trump die Zölle auf Stahl und Aluminium sowie seine Drohung mit Zöllen auf Autos zurückziehen. «Wir weigern uns, mit einer Pistole auf der Brust zu verhandeln», sagte Finanzminister Bruno Le Maire.

Der Vertreter des EU-Rats bei der G20, Hubert Fuchs, schlug moderatere Töne an. Der Verzicht auf die Stahl- und Aluminiumzölle sei keine Voraussetzung für Handelsgespräche. Er begrüsste den Vorstoss Mnuchins. «Selbst der Finanzminister der USA spricht sich für fairen und freien Handel aus. Das Problem ist, dass die USA unter fairem und freien Handel etwas anderes verstehen.»

Auch Bundesrat Ueli Maurer nahm am G20-Treffen teil. Begleitet wurde er unter anderem vom Staatssekretär für internationale Finanzfragen, Jörg Gasser. Zudem war Nationalbankpräsident Thomas Jordan in Buenos Aires anwesend.

IWF warnt vor Eskalation

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte die führenden Industrie- und Schwellenländer der G20-Gruppe vor einer Eskalation des von Trump angezettelten Handelsstreits.

Handelsstreit

Alles was Sie über das Kräftemessen zwischen USA und China wissen müssen: in unserer Chronik.

Ein weiteres Zoll-Wettrüsten würde laut einer IWF-Analyse die globale Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bislang erwartet, schätzt der IWF.

Angesichts des Handelsstreits zwischen den USA, China und der EU warnten auch die G20-Länder vor Gefahren für die Weltwirtschaft. «Die kurz- und mittelfristigen Risiken haben zugenommen. Dazu gehören Anfälligkeit für finanzielle Probleme, wachsende Spannungen im Bereich von Handel und Geopolitik, Ungleichheit und strukturell schwaches Wachstum, vor allem in einigen entwickelten Volkswirtschaften», hiess es am Sonntag in der gemeinsamen Abschlusserklärung des Treffens der G20-Finanzminister und Notenbankchefs.

«Der internationale Handel und Investitionen sind wichtige Motoren für Wachstum, Produktivität, Innovation und Entwicklung», hiess es in der Abschlusserklärung weiter. «Wir müssen den Dialog intensivieren und Massnahmen ergreifen, um die Risiken einzuhegen und das Vertrauen zu steigern.»

Die Minister unterstrichen zudem die Gültigkeit der Ergebnisse des G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs vor einem Jahr in Hamburg. Der Handel treibe das Wachstum der Weltwirtschaft voran, und daher seien multilaterale Abkommen wichtig. Damit geht die Erklärung über die des vorangegangenen Treffens im März hinaus, als sich lediglich darauf verständigt werden konnte, dass Bedarf für weiteren Dialog besteht.

EU-Vertreter am Mittwoch in Washington

Mit Spannung wird die Reise von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch nach Washington erwartet. Sie wollen mit Trump über den Handelsstreit sprechen. Trump hat den Streit mit den europäischen Partnern entfacht, indem er Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium verhängt hat.

Die EU hat darauf mit ähnlichen Zöllen etwa auf Motorräder und Whiskey reagiert. Trump drohte daraufhin mit zusätzlichen Zöllen auf Autos, die vor allem deutsche Hersteller treffen würden.

Der Handelsstreit tobt vor allem zwischen den USA und China, das bereits von Handelskrieg spricht. Mit der Erneuerung des Vorschlags von Trump versuchte Mnuchin offenbar auch, den Druck auf China zu erhöhen.

Die Regierung in Washington hat Produkte aus der Volksrepublik im Volumen von 34 Milliarden Dollar mit zusätzlichen Zöllen belegt. China hat Gegenmassnahmen im gleichen Umfang erlassen. Am Freitag drohte Trump mit Zöllen auf chinesische Einfuhren im Wert von 500 Milliarden Dollar.

(sda/bsh/mbü)