In der Ukraine-Krise haben sich die EU und die USA nach Angaben von Diplomaten auf die Ausweitung bestehender Sanktionen gegen Russland verständigt. Beide wollen demnach schon am Montag weitere Personen auf die Sanktionsliste setzen.

Die EU werde voraussichtlich am Montag eine Liste mit den Namen von 15 weiteren russischen Personen veröffentlichen, die für die Unruhen in der Ukraine verantwortlich gemacht und deshalb mit Strafmassnahmen belegt würden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die USA würden am gleichen Tag Sanktionen gegen russische Organisationen sowie Individuen aus dem engen Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin verhängen. Auch der US-TV-Sender Fox News berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Regierungsvertreter von der Ausweitung.

Russland kann noch einlenken

Die Sanktionsliste der EU und der Strafkatalog der USA würden sich nur in einigen Punkten überschneiden und ansonsten auf unterschiedliche Personen zielen, hiess es laut Reuters aus den Diplomatenkreisen weiter. Einige europäische Staaten hätten weiterhin Bedenken, enge Vertraute von Putin ins Visier zu nehmen.

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Russland soll die Ausweitung der Sanktionen aber noch abwenden können, wenn die Regierung in Moskau bis Montag ihren Kurs in der Ukraine-Krise ändert und zu einer erkennbaren Entspannung der Situation im Osten des Landes beiträgt.

Obama telefoniert mit Europäern

US-Präsident Barack Obama drängt wegen der Ukraine-Krise auf harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Er telefonierte deshalb am Freitag mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, dem britischen Premierminister David Cameron, Frankreichs Präsident François Hollande sowie dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi.

Die USA könnten wirtschaftliche Strafmassnahmen zwar auch im Alleingang verhängen, suchen aber den Schulterschluss mit der EU. Die Europäer haben mit Wirtschaftssanktionen für den Fall gedroht, dass sich ein russischer Militäreinmarsch im Osten der Ukraine abzeichnen sollte.

EU-Sanktionen mit mehr Schlagkraft

Die EU-Staaten sind ökonomisch weit enger mit Russland verflochten als die USA, EU-Sanktionen würden Russland damit auch stärker treffen. Allerdings ist die EU ihrerseits bei den Energielieferungen von dem grossen Nachbarn im Osten abhängig - ein Drittel des Gasbedarfs wird aus Russland gedeckt.

Die russische Regierung hat mit einer Aussperrung ausländischer Firmen gedroht, die sich wegen Sanktionen aus dem Land zurückziehen.