Den Ratingagenturen droht weiteres Ungemach wegen ihrer Notenvergabe vor der Finanzkrise. Nach Informationen des «Wall Street Journal» wollen das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten gegen Branchenprimus Standard & Poor's vorgehen.

Entsprechende Klagen könnten noch in dieser Woche eingereicht werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die grossen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch hatten vor dem Ausbruch der Finanzkrise zahlreiche US-Hypothekenpapiere mit sehr guten Bonitätsnoten versehen.

Investoren verliessen sich auf diese Urteile und griffen zu. Als die Krise ausbrach, verloren aber selbst mit der Bestnote Tripe-A ausgezeichnete Papiere schlagartig an Wert.

Die Ratingagenturen stehen seit Jahren in der Kritik, entzogen sich Verfahren aber zumeist mit der Begründung, sie hätten lediglich eine Meinung vertreten und keine Kaufempfehlung abgegeben.

Anzeige

Die Abwehrfront scheint aber zu bröckeln: Mitte Januar hatte der deutsche Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass Ratingagenturen in Deutschland grundsätzlich wegen ihrer Einschätzung verklagt werden können.

Zuvor hatte ein australisches Gericht S&P zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung verurteilt, weil die Ratingagentur Anleger in die Irre geführt habe. In New York hatte ein Gericht eine ähnliche Klage von Investoren zugelassen.

(vst/sda)