Der autoritäre Präsident der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Usbekistan, Islam Karimow, ist im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Das teilten das Staatsfernsehen Usbekistans sowie Regierung und Parlament in Taschkent am Freitag mit. Der usbekische Langzeit-Herrscher war am vergangenen Samstag mit Hirnblutungen in ein Spital gebracht worden. Dies hatte in dem Land mit 32 Millionen Einwohnern Angst vor möglichen Unruhen ausgelöst.

Karimow war bereits 1989 in der Zeit der Sowjetunion als Politiker der Kommunistischen Partei an die Spitze der damaligen Sowjetrepublik Usbekistan gerückt. Nach der Unabhängigkeit 1991 wurde er zum Staatschef gewählt. Seither führte er sein Land mit harter Hand.

Druck und Gewalt

Zuletzt wurde er im März 2015 mit mehr als 90 Prozent der Stimmen für ein weiteres fünfjähriges Mandat wiedergewählt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) äusserte jedoch Zweifel an der Rechtmässigkeit der Wahl. Die Stabilität seines Landes inmitten unruhiger Nachbarn wie Tadschikistan und Afghanistan sicherte Karimow mit Druck und Gewalt. Karimows Regime galt neben dem abgeschotteten Turkmenistan als härteste Diktatur der Region.

Trotzdem war Karimow über Jahre auch als Partner des Westens gefragt. Sehr zum Missfallen Russlands unterhielten die USA von 2001 an zeitweise eine Militärbasis in Usbekistan für den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan. Der deutsche Stützpunkt in der Stadt Termes, über den die Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz versorgt wurde, wurde erst Ende 2015 aufgegeben.

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Kampf gegen Islamismus

Usbekische Städte wie Samarkand und Buchara gehören zu den alten Zentren islamischer Kultur entlang der historischen Seidenstrasse zwischen Asien und Europa. Doch Karimow fürchtete wie die anderen Präsidenten Zentralasiens ein Vordringen des Islamismus. Um seine Macht zu sichern, verbot er nicht nur weltliche Oppositionsparteien wie Birlik oder Erk. Er zwang die muslimische Geistlichkeit auf Staatslinie.

Nach einem gescheiterten Attentat 1999 schickte er angebliche Islamisten zu Tausenden in Gefängnisse. 2005 richteten usbekische Soldaten ein Blutbad mit mehreren hundert Toten unter wehrlosen Demonstranten in der Stadt Andischan an.

Zerstrittene Familie

Karimow wurde am 30. Januar 1938 in Samarkand geboren und studierte Maschinenbau. Um dem Wüstenland Usbekistan eine eigene Identität zu geben, berief sich Karimow auf den grausamen Mongolenherrscher Timur. Der hatte im 14. Jahrhundert ein grosses Reich bis nach Europa erobert.

Wirtschaftlich brachte er Usbekistan kaum voran, auch wenn das Land über Gold, Silber, Gas, Öl und Kohle verfügt und Baumwolle produziert. Der Reichtum landete wohl vor allem bei seinem Familienklan. Von den zwei Töchtern wollte er die ältere namens Gulnara zur möglichen Nachfolgerin aufbauen. Doch die Familie zerstritt sich in seinen letzten Lebensjahren.

(sda/gku)