Liechtenstein schliesst einen automatischen Informationsaustausch mit Deutschland in Steuerfragen plötzlich nicht mehr aus: Man könne sich schon fragen, ob dieser in Teilbereichen mitunter nicht effizienter und attraktiver für das Fürstentum wäre, erklärte Regierungschef Klaus Tschütscher in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Der betroffene Staat selbst müsse alle steuerlichen Qualifikationsfragen vornehmen und habe auch den Aufwand zu tragen. Tschütscher gab zudem zu bedenken, dass die Einführung einer Abgeltungssteuer viele Mitarbeiter erfordere, die erst einmal die nötigen Qualifikationen bräuchten, um zu wissen, was in welchem Staat unter welche Steuer fällt.

«Wenn sie 40 Prozent von den Kapitalerträgen einziehen müssen und erst noch Gefahr laufen, dass auch mal etwas schiefläuft, nur um die Anonymität der Kunden zu wahren, ist das aus Bankensicht nicht sehr vorteilhaft», führte Tschütscher weiter aus.

Nicht mit reiner Abwehrhaltung verschliessen

Generell hält der Liechtensteinische Regierungschef nichts davon, reflexartig auf Themen wie den automatischen Informationsaustausch zu reagieren. Erst nach eingehender Analyse sollte man Entscheidungen treffen und sich nicht mit reiner Abwehrhaltung verschliessen.

Liechtenstein sei dabei, die kommenden Regulierungen zu analysieren sowie die Kosten und die Haftungsfragen für die einzelnen Finanzinstitute und deren Mitarbeiter im Falle der Abgeltungssteuer anzuschauen.

(tno/aho/chb)

 

 

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