Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, übt harsche Kritik am Einsatz von Bundesrat Alain Berset im Vorfeld der Abstimmung über die Rentenreform. «Ich habe noch nie erlebt, dass ein einzelner Bundesrat überall in der Schweiz in dieser Häufigkeit auftritt», poltert der Industrielle im Interview mit der «Handelszeitung». Berset habe das Mass überschritten.

Der Bundesrat gefährde damit seine Unabhängigkeit und seinen guten Ruf. «Ich weiss nicht, wie Bunderat Berset noch seine Regierungsgeschäfte wahrnimmt.» Der Innenminister habe überdies so stark Position für die Reformvorlage bezogen, dass er bei einem Nein Mühe haben würde, selber glaubwürdig eine neue Reform aufzugleisen.

Hoffnung auf einen Richtungswechsel

Der Arbeitgeberpräsident hofft, dass die bürgerliche Wende mit dem neuen FDP-Mitglied im Bundesrat doch noch eintritt: «Der anstehende Wechsel in der Regierung könnte ein Startschuss sein.» Es bestehe grosser Nachholbedarf: Die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat hätten zuletzt zu Ergebnissen wie der Lohnpolizei oder der Frauenquote geführt.

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«Unsere Hoffnung ist, dass wir in der anstehenden Bundesratswahl vom 3:4 zu
einem 4:3-Verhältnis wechseln.» Welchen der drei FDP-Kandidaten er favorisiert, lässt der Unternehmer offen. Wichtig sei, dass das neue Regierungsmitglied mithelfe, den Bundesrat wieder bürgerlicher zu machen.

Keine Aufhebung der 45-Stunden-Woche

Vogt spricht sich im Interview ausdrücklich gegen eine Aufweichung des Arbeitsrechts aus: «Ich warne davor, diese Büchse der Pandora zu öffnen.» Das bestehende Arbeitsgesetz habe sich im Grossen und Ganzen bewährt. Deshalb brauche es nur punktuelle Anpassungen. Eine Aufhebung der 45-Stunden-Woche komme dabei nur für einen kleinen Teil der Arbeitnehmer in Frage. «Eine Krankenschwester, die im Spital Schicht arbeitet, fällt nicht unter die Flexibilisierung der Arbeitszeit.»

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