Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat davor gewarnt, sein Land aus dem Euro zu drängen. In einem solchen Fall würden unweigerlich weitere Staaten folgen und der gesamte Währungsblock würde kollabieren, sagte Varoufakis in einem Interview des italienischen Fernsehsenders RAI.

Ein Transkript des Interviews wurde von dem Sender am Sonntag vorab veröffentlicht. «Der Euro ist instabil wie ein Kartenhaus», sagte Varoufakis. «Wenn man die griechische Karte herauszieht, werden die anderen zusammenfallen.»

«Wer wäre der Nächste», fragte er, «Portugal?» «Was würde passieren, wenn Italien feststellt, dass es unmöglich ist, in der Zwangsjacke der Sparpolitik zu bleiben?»

Varoufakis: Italiener fürchten deutsche Reaktion

Varoufakis und Ministerpräsident Alexis Tsipras hatten vergangene Woche Rom besucht. Dabei hätten ihnen ranghohe italienische Gesprächspartner im Vertrauen gesagt, sie würden das Vorgehen der Griechen unterstützen. Sie könnten aber nicht die Wahrheit sagen, weil sie fürchteten, dass Italien dann der Bankrott drohe und weil sie die Reaktion Deutschlands fürchteten. «Seien wir ehrlich, Italiens Schuldensituation ist nicht tragbar», fügte der Minister hinzu.

Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan reagierte darauf umgehend: Die Verschuldung seines Landes sei tragbar und auf einer soliden Basis, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Bemerkungen Varoufakis' seien deplatziert. Italien arbeite mit an einer europäischen Lösung für die griechischen Probleme, dies erfordere aber «gegenseitiges Vertrauen».

Italien hat nach Griechenland die höchste Staatsverschuldung in der Eurozone.

Auslandsguthaben auf den Prüfstand

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hält trotz bestehender Vorbehalte in EU-Ländern eine Einigung in der Schuldenkrise für möglich. Griechenland könne derzeit seine Schulden nicht zurückzahlen und werde deshalb seinen Partnern ein Überbrückungsprogramm bis Juni vorschlagen, sagte Tsipras während seiner Regierungserklärung am Sonntag in Athen.

Der Linkspolitiker kündigte einen harten Kampf gegen Korruption und Steuersünder in seinem Land an. Eine Sondereinheit solle auch grosse Auslandsguthaben überprüfen. Tsprias erklärte weiterhin, Staatsausgaben und Vergünstigungen zu kürzen. Der Mindestlohn werde hingegen schrittweise angehoben.

(reuters/awp/tno)

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