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Krisenstaat
Varoufakis: Griechen wären Euro besser nie beigetreten

Gianis Varoufakis: Spricht über «Draghis Seele in Angst». Keystone

«Wenn Du einmal drinnen bist, dann gibt es keinen Weg heraus» - so sieht der griechische Finanzminister die Eurozone. Für die Rückzahlung der EZB-Kredite fordert Varoufakis mehr Zeit.

Veröffentlicht am 14.05.2015

Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis hat einen Austritt seines Landes aus der Euro-Zone ausgeschlossen. Die Wiedereinführung der alten Währung Drachme würde Griechenland in die Steinzeit zurückwerfen, sagte Varoufakis am Donnerstag in Athen.

Besser wäre aber gewesen, wenn Griechenland der Eurozone gar nicht erst beigetreten wäre, so Varoufakis. Dann hätte das Land die Möglichkeit gehabt, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, sagte Varoufakis auf einem Seminar, das vom griechischen Fernsehen übertragen wurde. «Aber wenn Du einmal drinnen bist, dann gibt es keinen Weg heraus.»

«In die ferne Zukunft verschoben»

Varoufakis sagte am Donnerstag auch, sein Land brauche mehr Zeit für die Rückzahlung von Krediten an die Europäische Zentralbank (EZB). Allerdings sehe er wenig Chancen auf Erfolg. Denn EZB-Chef Mario Draghi könne es sich wegen des laufenden Anleihekaufprogramms nicht leisten, Deutschland zu irritieren.

Nach der Rückzahlung von knapp 7 Milliarden Euro im Juli und August blieben 27 Milliarden Euro übrig, die in den nächsten Monaten und Jahren fällig würden. «Diese Anleihen sollten in die ferne Zukunft verschoben werden. Das ist klar», sagte Varoufakis, der damit seine Umschuldungsvorschläge zu Beginn seiner Amtszeit Anfang des Jahres wieder ins Spiel brachte.

«Draghis Seele in Angst»

Varoufakis will die Belastung über verschiedene Wege tragbar machen. Dazu gehören ans Wirtschaftswachstum gekoppelte Anleihen sowie Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit. «Die Idee eines Tauschs versetzt Herrn Draghis Seele in Angst», sagte Varoufakis. Deutschland steht dem Bondkaufprogramm der EZB skeptisch gegenüber.

Griechenland droht in den nächsten Wochen das Geld auszugehen. Die Auszahlung weiterer 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramms ist von einer Einigung der Athener Regierung mit den Euro-Partnern über den Reformkurs abhängig.

Kredit der EBRD

Etwas Luft verschaffte die europäische Förderbank EBRD. Griechenland kann nun bei der Finanzierung von Projekten auf günstigere Kredite der EBRD zurückgreifen. Die am Donnerstag unterzeichnete Vereinbarung habe einen Wert von bis zu 500 Millionen Euro im Jahr, teilte das Wirtschaftsministerium in Athen mit.

Griechenland wird seit 2010 mit 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Kann die Regierung ihre Schulden nicht mehr bedienen, droht der Kollaps. Bislang ist Griechenland seinen Zahlungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nachgekommen. Zuletzt griff die Regierung dafür aber in die Trickkiste. Ein Indiz wie dringend das Land weitere Hilfen benötigt.

(awp/sda/tno)

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