Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis sieht die EU und speziell die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei der Lösung der Griechenland-Krise in der Pflicht. Varoufakis sagte der «Bild»-Zeitung (Montag) mit Blick auf die CDU-Politikerin: «Die Regierungschefs der EU müssen handeln. Und von ihnen hält sie als die Vertreterin des wichtigsten Landes den Schlüssel in der Hand. Ich hoffe, sie nutzt ihn.» Er betonte, Athen sei für ein neues Angebot seiner Gläubiger offen, das dann in dem vom Parlament beschlossenen Referendum am kommenden Sonntag zur Abstimmung vorgelegt werden könnte.

Seine Regierung könnte im Fall neuer Vorschläge ihre ablehnende Haltung zu den bisherigen Forderungen der Gläubiger auch wieder zurücknehmen: «Dann können wir unsere Empfehlung jederzeit ändern und den Wählern vorschlagen, für sie zu stimmen.» Griechenland selbst wolle aber kein neues Angebot vorlegen. Er bleibe ein «ewiger Optimist», weil es Europa wieder und wieder gelungen sei, Wunden zu heilen und Streitereien zu überwinden, sagte Varoufakis der Zeitung.

Athen berät über Massnahmen für Montag

Gegenüber BBC sagte der Politiker am Sonntag, Griechenland erwäge die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen sowie eine Schliessung der Banken am Montag. Der griechische Finanzstabilitätsrat wird eigenen Angaben zufolge am Sonntag um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) über die Lage des griechischen Bankensystems beraten.

Anzeige

In dem Gremium sitzen der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, sein Stellvertreter Dimitris Mardas, Notenbank-Chef Yanis Stournaras, der Obmann des griechischen Bankenverbandes, der Vorsitzende des Bankenrettungsfonds HFSF und der Leiter der Kapitalmarkt-Kommission.

Der Abbruch der Verhandlungen mit den Geldgebern und die drohende Staatspleite Griechenlands haben die Lage der griechischen Banken am Wochenende nochmals verschärft. Vor den Bankomaten haben sich lange Schlangen gebildet, die Griechen ziehen ihr Geld ab.