Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat nach der deutlichen Rückendeckung der Bürger für die griechische Regierung im Streit mit den Geldgebern seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Damit will der Minister, der den Gläubigern in den letzten Tagen Terrorismus und Erpressung des griechischen Volkes vorgeworfen hatte, die Chancen von Regierungschef Alexis Tsipras auf eine Einigung mit den Euro-Partnern verbessern, wie er mitteilte. Der Euro sackte als Reaktion auf das Referendum am Montagmorgen um knapp einen US-Cent auf 1,1022 ab. Der Aktienindex in Tokio fiel um gut zwei Prozent, auch an anderen asiatischen Börsen fielen die Kurse.

Der Neue wird heute bestimmt

Varoufakis erklärte, ihm sei klargemacht worden, dass er bei den Euro-Finanzministern als unerwünschte Person gelte. «Deshalb verlasse ich das Finanzministerium heute», sagte er.

Der Nachfolger des zurückgetretenen Finanzministers Yanis Varoufakis soll noch am Montag nach einem Treffen der griechischen Führung benannt werden. Das Treffen beginnt einem Regierungssprecher zufolge um 9 Uhr. Mögliche Nachfolger sind Wirtschaftsminister Georgios Stathakis und der Koordinator der Gespräche mit den Gläubigern, Euclid Tsakalotos.

Regierung Rücken gestärkt

Die Griechen hatten sich am Sonntag bei einen Referendum mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gegen den Sparkurs der Geldgeber aus Europa gewandt. Diese verlangen dem Land weitere Einschnitte im Gegenzug zu Milliardenhilfen ab. Damit stärkten die Bürger der Regierung von Ministerpräsident Tsipras, die zuvor den Wählern ein Nein empfohlen hatten, den Rücken. Tsipras und seine Regierung wollen nun, wie sie ankündigten, umgehend neue Verhandlungen mit den Geldgebern aufnehmen, um schnell weitere Finanzhilfen und eine Reduzierung der Schuldenlast zu erreichen. Griechenland hat seit 2010 fast 240 Milliarden Euro an Hilfen von seinen europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds erhalten.

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Vorbehalte gegen neue Verhandlungen

Ob allerdings diese Verhandlungen so schnell, wie von griechischen Regierung erhofft, beginnen können, ist fraglich. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande plädierten für einen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Dienstag. Dort soll dann über das weitere Vorgehen nach dem Referendum beraten werden. «Beide sind sich darin einig, dass das Votum der griechischen Bürger zu respektieren ist», sagte ein deutscher Regierungssprecher in Berlin nach einem Telefonat der beiden.

Merkel reist schon am Montagnachmittag nach Paris, um sich mit Hollande zu beraten. Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sieht kaum noch Chancen für einen Kompromiss, wie er dem «Tagesspiegel» sagte. Tsipras habe die letzten Brücken eingerissen, über die sich Europa und Griechenland auf eine Verständigung zubewegen könnten.

(reuters/chb)