Der Goldregen für Ex-Novartis-Boss Daniel Vasella kurz vor der Abstimmung über die Abzocker-Initiative hat in Wirtschaftskreisen und Politik eingeschlagen wie eine Bombe. Economiesuisse-Präsident Wehrli zeigte sich denn auch zutiefst empört. Selbst Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann übte Kritik am Riesensalär von 72 Millionen Franken.

«Ich verstehe die allgemeine Empörung. Und ich bin selber zutiefst empört», sagte Rudolf Wehrli am Samstag in Mexiko-Stadt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Solche Löhne und solche Entschädigungen seien eine ganz üble Provokation, auch für die Gegner der Minder-Initiative, über die am 3. März abgestimmt werde.

Erleidet Gegenvorschlag jetzt Schiffbruch?

Der Gegenvorschlag würde ein Vergütungsreglement verlangen, das genau solche Eskapaden stoppen könne, sagte Wehrli. Zudem verlange der Gegenvorschlag, dass man solche Beträge, die nach Mehrheitswillen ungerechtfertigterweise bezogen worden seien, auch zurückfordern könne. Es sei sehr schwierig aber zu sagen, ob der Gegenvorschlag jetzt noch eine Chance an der Urne habe.

«Ich habe überhaupt kein Verständnis für Herrn Vasella», sagte Wehrli. Das sei eine Form von Egoismus und Rücksichtslosigkeit, die man selten in der Gesellschaft sehe. «Das macht einen sprachlos. Ich kann mir in keiner Weise vorstellen, wofür man so viel Geld benötigt.»

Es gebe keine Managerleistung, die eine solche Entlöhnung rechtfertigen könnte, sagte Wehrli. So viel könne kein Manager leisten. Wenn ein Manager seine Arbeit gut mache, sollte er über Aktienprogramme profitieren. «Aber dass man die Löhne in solche Stratosphären katapultiert, stellt den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft in Frage.»

Schneider-Ammann: Ruhe bewahren

Auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann zeigte wenig Verständnis für Vasellas Multimillionengage: «Das ist eine unschöne Situation», sagte der Bundesrat der «Tagesschau» von Fernsehen SRF. Das Schweizer Volk sollte aber jetzt nicht am 3. März das Kinde mit dem Bade ausschütten.

«Es geht um den Standort Schweiz und um die längerfristige Sicherheit dieses Standortes. Und deshalb steht der Bundesrat weiterhin hinter dem Gegenvorschlag», sagte Schneider-Ammann. Und weiter: «Ich habe die Abzockerei immer angemahnt. Und ich habe sie aus Sorge angemahnt, dass wir letztlich über eine Volksabstimmung den Standort beschädigen könnten», sagte der Bundesrat. Jetzt sei das Risiko gestiegen.

Auch bei Schweizer Unternehmern, die Schneider-Ammann auf seinem Mexiko-Besuch begleiten, zeigten sich entsetzt über Vasellas Riesenlohn. Man könnte meinen, Minder habe Vasella gekauft, um seiner Initiative zum Sieg zu verhelfen, sagte ein Manager im Gespräch mit der sda sarkastisch.

Neben Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Economiesuisse-Präsident zeigte bereits Justizministerin Simonetta Sommaruga im Interview mit «Handelszeitung Online» wenig Verständnis für die Abgangsentschädigungen von Daniel Vasella. 

(muv/sda)

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