Im Vatikan wird ermittelt. Sprecher Lombardi bestätigte erstmals, dass es sich bei dem Verdächtigen um Gabriele handelt. Er bleibe weiter in Untersuchungshaft, sagte Lombardi nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA. Da Gabriele im Vatikan lebe, sei auch die Gerichtsbarkeit des Vatikans zuständig.

Gabriele sei am Mittwoch in seinem Haus im Vatikan festgenommen worden, sagte Lombardi. Im seinem Besitz hätten sich geheime Dokumente befunden. Gabriele war seit 2006 der persönliche Diener Benedikts und zählte zum engsten Kreis des päpstlichen Haushalts.

In der Öffentlichkeit war er oft an der Seite des Papstes zu sehen, etwa wenn er diesen zu seinen Generalaudienzen begleitete oder versuchte, den Pontifex vor dem Regen zu schützen. «Schwer betroffen und schockiert» sei der Heilige Vater nach den neuesten Enthüllungen, verlautete aus Kreisen um Benedikt XVI.

Langwieriges Verfahren

Die Ermittlungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Lombardi. «Man darf hier nicht in kurzen Fristen denken.» Im Zusammenhang mit «Vatileaks» - eine Anspielung auf die Öffentlichmachung geheimer US-Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks - gehe es um weitere Taten. Mehr sagte Lombardi dazu nicht.

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Gabriele werde alle juristischen Möglichkeiten bekommen, die in der vatikanischen Gerichtsbarkeit vorgesehen seien. «Der Beschuldigte hat zwei Anwälte seines Vertrauens benannt, die beim vatikanischen Gericht zugelassen sind, und er hat die Möglichkeit gehabt, sie zu treffen», sagte Lombardi.

Bis zu 30 Jahre Haft drohen dem Mann, dem laut italienischen Medien ein «Anschlag auf die Sicherheit des Papstes» vorgeworfen wird. Gabriele habe unter anderem persönliche Briefe an den Heiligen Vater weitergegeben, was die Sicherheit des Vatikanstaates gefährde.

Seit Jahrhunderten war im Vatikan niemand verhaftet worden. «Der Skandal droht Benedikts Pontifikat stark zu belasten», kommentierte die römische Zeitung «La Repubblica».

Spekulationen über Machtkampf

In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert. So wurden etwa interne Informationen über ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst und das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR bekannt.

Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen als «Vatileaks» scharf kritisiert. Italienische Medien hatten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie spekuliert.

Der Vatikan prangerte auch ein Buch mit dem Titel «Sua Santità» (Seine Heiligkeit) an, das vor einer Woche erschienen war und mehrere Dokumente aus dem Kirchenstaat enthält. Der Autor, der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi, hatte in den Medien stets betont, seine «Quellen» handelten aus Überzeugung. Weder er noch der Verleger habe irgendjemanden bezahlt.

(chb/sda)