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Wechselkurs
Venezuela startet neues Devisenregime

Bolivar: Die Währung soll freier sein. Keystone

Der Handel mit der venezolanischen Landeswährung wird von der Regierung kontrolliert. Nun soll der Bolivar teilweise den Marktkräften überlassen werden.

Veröffentlicht am 11.02.2015

Venezuela hat eine Lockerung seines staatlichen Devisenkontrollsystems in Aussicht gestellt. Nach Angaben des Finanzministeriums und der Zentralbank soll der freie Handel von Währungen, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet, noch diese Woche beginnen.

Der Schritt ist ein Kurswechsel: Seit über einem Jahrzehnt werden in dem ölreichen und sozialistisch regierten Land die Umtauschkurse staatlich vorgegeben, was Venezuela einen blühenden Schwarzmarkt bescherte. Die Entscheidung soll Entspannung auf dem Devisenmarkt bringen.

Schlangen vor den Supermärkten

Seit Monaten müssen die Venezolaner in langen Schlangen vor Supermärkten anstehen. Viele Produkte wie Mehl, Milch und Hygieneartikel sind knapp, da es zu wenig Devisen für den Import gibt. Experten erwarten, dass der Dollar im Freihandel zunächst zum hohen Schwarzmarktkurs von 180 Bolivar ins Rennen geht.

Auch nach der Änderung bleiben Restriktionen. Der offizielle Kurs von 6,30 Bolivar pro Dollar für Importe von Lebensmitteln und Medikamenten wird beibehalten. Auch dürfen die Venezolaner weiter nur etwa 3000 Dollar pro Jahr für Auslandsreisen und 300 Dollar für Online-Käufe tauschen.

Abwertung erwartet

Fachleute gehen davon aus, dass der Bolivar nun deutlich zum US-Dollar abwerten und die ohnehin hohe Inflation zunehmen werde. Die Änderungen dürften nach Einschätzung von Experten auch zu milliardenschweren Abschreibungen bei ausländischen Konzernen führen, die in Venezuela tätig sind. Dazu zählten unter anderen die Opel-Mutter General Motors, der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble und der Pharmakonzern Merck.

Viele Branchen machen die bisherigen Währungskontrollen der sozialistischen Regierung für ihre Probleme verantwortlich: Ihnen fehle es an Dollar, um wichtige Bauteile auf dem Weltmarkt kaufen zu können, argumentieren die Verbände. Präsident Nicolas Maduro wirft den Firmen dagegen vor, die US-Währung gewinnbringend auf dem Schwarzmarkt verkaufen zu wollen.

(sda/reuters/ise/me)

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