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Folter
Verdächtigte im Mordfall Nemzow womöglich gefoltert

Gedenkstätte am Tatort: Verdächtige sind in Haft Keystone

Die Verdächtigten im Mordfall um den erschossenen Putin-Kritiker Boris Nemzow sind möglicherweise im Gefängnis gefoltert worden. Diese Vermutung äussert der Menschenrechtsrat in Moskau.

Veröffentlicht am 11.03.2015

Die Hauptverdächtigen im Fall des ermordeten Putin-Kritikers Boris Nemzow sind möglicherweise in der Haft gefoltert worden. Davon auszugehen, sei durchaus berechtigt, schrieb Andrej Babuschkin, der Mitglied des Menschenrechtsrats der russischen Führung ist, am Mittwoch auf seiner Website.

Er habe drei der fünf festgenommenen Männer im Moskauer Gefängnis Lefortowo besucht. Dabei habe er beim ehemaligen tschetschenischen Polizisten Saur Dadajew zahlreiche Verletzung festgestellt. Bei Dadajews Cousin Ansor Gubaschew seien Schürfwunden im Bereich der Nase, Handgelenke und Beine zu sehen gewesen. Diese habe er nach seiner Festnahme erlitten.

Verwicklung in Tat zugegeben

Nemzow ist der prominenteste Oppositionelle, der in der Amtszeit von Präsident Wladimir Putin getötet wurde. Ende Februar wurde er in Moskau unweit des Kreml auf offener Strasse erschossen.

Putin hat die Tat verurteilt. Vor wenigen Tagen wurden fünf tschetschenischstämmigen Männer festgenommen. Dadajew hat nach Angaben der Behörden seine Verwicklung in den Mord zugegeben. Er und Gubaschew wurden angeklagt.

Deal vorgeschlagen

Mitarbeiter und Anhänger Nemzows vermuten jedoch, dass der russische Sicherheitsapparat etwas mit der Tat zu tun haben könnte. Den Mord tschetschenischen Islamisten in die Schuhe zu schieben, sei nicht anderes, als ein Versuch, den Verdacht von Putin, seinem inneren Machtzirkel oder den Sicherheitskräften abzulenken.

Dadajew sagte nach Angaben Babuschkins, er sei am 5. März im Nordkaukasus entführt worden. Sein Freund und ehemaliger Kollege Rustam Jusupow sei bei der Festnahme zugegen gewesen und werde seitdem vermisst. Dadajew sei Jusupows Freilassung versprochen worden, wenn er den Mord an Nemzow zugebe.

Babuschkin forderte den Menschenrechtsrat auf, Putin über seine Erkenntnisse zu informieren. Die Strafverfolgungsbehörden müssten zudem die Foltervorwürfe untersuchen.

(sda/dbe/ama)

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