Nachdem Russland vermeintlich erstmals Staatsdoping zugegeben hat, dementiert die nationale Anti-Doping-Agentur Rusada die Aussagen ihrer Chefin Anna Anzeliowitsch. Sie sei von der «New York Times» falsch zitiert worden. «Es war eine institutionelle Verschwörung», hatte Anzeliowitsch dem Blatt gesagt. Die Regierung sei indes nicht in die Machenschaften involviert gewesen und habe auch nichts davon gewusst.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Vorwürfe zuvor als «absurd» und «unmöglich» abgetan. Den Ausschluss vieler russischer Athleten von den Olympischen Sommerspielen in Rio sah Putin als Verschwörung des Westens wegen der Ukraine-Krise.

«Eine Menge Fehler gemacht»

In zwei Berichten hatte der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Richard McLaren, Russland in diesem Jahr des Staatsdopings bezichtigt und auf mehrere Beweise für die Vertuschung von Doping-Fällen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi verwiesen.

Im Juli liess Putin eine neue Anti-Doping-Kommission in Russland gründen. Selbstkritik blieb bis jetzt aber Mangelware. Im Bericht der «New York Times» räumt der Chef Witali Smirnow erstmals eine russische Verantwortung ein: «Aus meiner Sicht haben wir eine Menge Fehler gemacht.» Als früherer Sportminister und Präsident des Olympischen Komitees hätte er das Problem erkennen müssen.

1000 Sportler involviert

Der zweite und abschliessende Teil des Berichtes von Richard McLaren über verbotene Machenschaften im russischen Spitzensport untermauerte Anfang Dezember den Vorwurf von staatlich gelenktem Doping. Mehr als 1000 russische Sportler seien von 2011 bis 2015 Teil des staatlich institutionalisieren Betrugssystems gewesen, so McLaren.

Kurz vor Weihnachten leitete das Internationale Olympische Komitee ein Verfahren gegen 28 russische Teilnehmer der Winterspiele 2014 ein. Gestern wurde bekannt, dass der Ski-Weltverband und der Biathlon-Weltverband einige russische Athleten vorläufig sperren.

Kommt Tschernoussow zu Gold-Ehren?

Vorläufig gesperrt wurden mit Alexander Legkow, Maxim Wilegschanin, Jewgeni Below und Alexander Petuchow vier der besten Langläufer der Welt. Legkow und Wilegschanin holten in Sotschi im 50-Kilometer-Rennen Gold und Silber.

Im Falle einer nachträglichen Disqualifikation würde Ilja Tschernoussow, Ehemann der Schweizer Biathletin Selina Gasparin, den Olympiasieg erben.

(gku)
 

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