Zahlreiche Flüchtlinge, die über Tage in Ungarn festgesessen hatten, sind in der Nacht zum Samstag in Österreich eingetroffen. In einer Buskolonne machten sie sich von Budapest aus auf dem Weg Richtung Westen. Österreich und Deutschland gestatten ihnen die Einreise.

Die ersten Busse mit Flüchtlingen, die sich teilweise schon zu Fuss auf den Weg Richtung Westeuropa gemacht hatten, trafen am Samstagmorgen am Grenzübergang Hegyeshalom-Nickelsdorf ein, wie die österreichische Polizei mitteilte. Von Budapest aus sind es über die Autobahn M1 rund 175 Kilometer bis zur Grenze.

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Berlin erwartet Einhaltung der Verpflichtungen

Am Abend kündigte die ungarische Regierung an, die Flüchtlinge mit Bussen zur Grenze zu bringen. Österreich und Deutschland erklärten sich in der Folge bereit, die Flüchtlinge einreisen zu lassen. Die Entscheidung sei aufgrund der «aktuellen Notlage an der ungarischen Grenze» und in Abstimmung mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen worden, teilte der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann mit.

Wien und Berlin erwarteten aber weiterhin, dass Ungarn seinen Verpflichtungen aus dem Dublin-Abkommen nachkomme. Das Innenministerium in Wien erklärte, die Polizei und das Rote Kreuz seien auf die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet.

«Der nächste Halt ist Österreich»

Die bereitgestellten Busse sammelten die Flüchtlinge an der Autobahn und am Bahnhof Keleti ein. Dort waren sie zuvor tagelang an der Weiterfahrt Richtung Westeuropa gehindert wurden. «Wir sind so froh, dass endlich etwas passiert», sagte der 23-jährige Osama aus Syrien. «Der nächste Halt ist Österreich. Die Kinder sind sehr müde, Ungarn ist sehr schlecht, wir müssen irgendwo hin.»

Viele der völlig erschöpften Flüchtlinge schliefen auf der Busfahrt, wie ein AFP-Korrespondent aus einem der Busse berichtete. Andere blieben wach, weil sie fürchteten, doch noch in ein ungarisches Flüchtlingslager gebracht zu werden.

Burgenland bereitet sich vor

Er habe sich nicht wohl dabei gefühlt, den Bahnhof Keleti zu verlassen, sagte der 26-jährige Mohammed aus Damaskus. Erst als er aus dem Busfenster die Donau erblickte, wurde er etwas ruhiger. Er habe schon viel über den Fluss gehört, sagte er. «Er ist wunderschön.»

Am frühen Samstagmorgen kamen die ersten Busse an der österreichischen Grenze an. Die Polizei im Burgenland bereitete sich auf die Ankunft von bis zu 3000 Flüchtlingen vor, wie der stellvertretende Landespolizeidirektor mitteilte. Neben Verpflegung und medizinischer Versorgung stünden im Raum Nickelsdorf rund 600 Betten bereit.

Ein Sonderzug soll die Flüchtlinge von der Grenze nach Wien bringen. Sie sollen um 6 Uhr von Nickelsdorf aus zum Wiener Westbahnhof fahren. Möglicherweise würden weitere Sonderzüge eingesetzt. Bis zum frühen Morgen kamen etwa 2000 Flüchtlinge aus Ungarn an. Die Zahl könnte sich im Laufe des Tages verdoppeln, heisst es.

(sda/gku)