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Staatskrise
Viele Tote in Kairo

Kairo: Mursi-Anhänger tragen einen Verletzten. (Bild: Keystone)

Sicherheitskräfte schiessen in der ägyptischen Hauptstadt nach Angaben der Muslimbrüder gezielt auf Protestierende. Über die Zahl der Toten herrscht Verwirrung.

Veröffentlicht am 27.07.2013

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind am frühen Samstagmorgen nach Angaben der Muslimbrüder mehr als 70 Protestierende durch einen Angriff der Sicherheitskräfte getötet worden. Ein Sprecher der Muslimbrüder, Gehad El-Haddad, sagte, die Zahl der Opfer könne noch viel höher sein. Weitere 1500 Menschen seien verletzt worden, hiess es auf der Internetseite der Bewegung. 

Der TV-Sender Al Dschasira berichtete, 120 Menschen seien bei dem Vorfall am Rande einer 24-Stunden-Wache von Mursi-Anhängern nahe einer Moschee getötet und etwa 4500 weitere verletzt worden. Die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete dagegen 10 Tote und etwa 500 Verletzte. 

Der Sprecher der Muslimbrüder sagte weiter, die Sicherheitskräfte hätten gezielt auf Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi geschossen. «Sie schiessen nicht, um zu verletzen, sie schiessen, um zu töten», sagte der Sprecher. Von den ägyptischen Behörden lagen zunächst keine Angaben zum Hergang vor.

Bereits am Freitag Tote

Nach Angaben der Mursi nahestehenden Muslimbrüderschaft wurden Demonstranten in Kopf und Brust geschossen. Zunächst habe die Polizei in der Nacht mehrfach Tränengas eingesetzt. Dann hätten Sicherheitskräfte aus nächster Nähe auf Menschen geschossen, sagte El-Haddad. Reporter vor Ort sagten, auch Stunden nach Beginn der heftigen Unruhen seien noch Schüsse zu hören gewesen.

Bereits am Freitag war es zu erneuten Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis gekommen. Dabei hatte es 9 Tote und 200 Verletzte gegeben. Die meisten Toten gab es in Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes.

Am Freitag waren im ganzen Land Hunderttausende dem Aufruf von Armeechef Abdel Fattah al-Sissi zu Demonstrationen gegen die Islamisten gefolgt, die ihrerseits in grosser Zahl auf die Strasse gingen. Angeheizt wurden die Proteste von dem Haftbefehl gegen den Islamisten Mursi, dem die Staatsanwaltschaft Mord an Soldaten und Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Hamas vorwirft. Das Militär hatte Mursi Anfang Juli nach Massenprotesten gegen dessen Politik der Islamisierung abgesetzt. 

(tno/reuters)

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