1. Home
  2. Politik
  3. Vier Szenarien für die Vorwahl in Frankreich

Selektion
Vier Szenarien für die Vorwahl in Frankreich

Emmanuel Macron und Marine Le Pen: Sie haben guten Chancen für die zweite Runde. Keystone

Heute kürt Frankreich zwei Favoriten für die Präsidentschaft. Marine Le Pen und Emmanuel Macron haben gute Chancen auf Runde zwei. Aber eine andere Auswahl ist auch denkbar.

Von Marc Bürgi
am 21.04.2017

Heute wird Frankreich seinen neuen Präsidenten wählen. Es ist der wahrscheinlich heikelste Urnengang für die Europäische Union in diesem Jahr – denn ein wichtiges Mitgliedsland könnte sich für einen radikalen Kurswechsel entscheiden: Mit Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon treten zwei Politiker an, die das Land massiv umgestalten möchten.

Das heutige Resultat ist ein Vorentscheid,  die Franzosen bestimmen ihre zwei Favoriten für das Amt. Wer neues Staatsoberhaupt wird, entscheidet sich erst am 07. Mai. Nur wenn einer der Kandidaten die absolute Mehrheit gewinnt, ist kein zweiter Wahlgang nötig. Dies ist sehr unwahrscheinlich.

Le Pen und Mélenchon haben Chancen, eine Runde weiterzukommen. Chancen auf die zweite Runde haben aber auch Emmanuel Macron und François Fillon. Die Grossbank UBS hat analysiert, mit welcher Kombination von Kandidaten am ehesten zu rechnen ist:

Emmanuel Macron gegen Marine Le Pen

Für dieses Duell stehen die Chancen am besten. Macron und Le Pen liegen schon seit Wochen vorne in den Umfragen. Es ist eine Kombination, welches die Anspannung  an den Finanzmärkten lösen dürfe. Denn Marcon würde die Wahl gegen Le Pen laut Umfragen klar gewinnen. Der Ex-Wirtschaftsminister könnte in einer zweiten Runde mit vielen zusätzlichen Stimmen von Le Pens Gegnern rechnen.

 François Fillon gegen Marine Le Pen

Auch mit François Fillon als Gegner hat Marine Le Pen schlechte Karten. Allerdings dürfe der bürgerliche Politiker weniger klar gegen Le Pen dominieren als Macron. Fillons konservative Ansichten und der Skandal um die Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau würden im Stimmen kosten.

François Fillon gegen Emmanuel Macron

Eine solche Endauswahl würde die Wahl entschärfen. Denn es sind Le Pen und Mélenchon, die international für Anspannung sorgen. Beide weibeln für einen scharfen Kurswechsel in der Politik und Wirtschaft. Fillon und Macron hingegen stehen für Kontinuität. Schliesslich waren beide schon in der Regierung, Fillon als Ministerpräsident und Macron als Wirtschaftsminister. Das Duell würde voraussichtlich Macron für sich entscheiden.

Marine Le Pen gegen Jean-Luc Mélenchon

Das ist das Schreckenszenario für die Europäische Politik und Wirtschaft. Le Pen und Mélenchon versprechen ihren Wählern eine radikal neue Politik für Frankreich. Die Rechtspopulistin Le Pen möchte beispielsweise das Land vom Euro lösen. Linksaussen-Politiker Mélenchon will etwa hohe Einkommen zu hundert Prozent besteuern und den Mindestlohn massiv erhöhen.

Im Parlament hat Le Pen wenig Freunde

Für Frankreich steht mit dieser Wahl viel auf dem Spiel. Und die Überraschung ist durchaus möglich: Die UBS beziffert die Wahlchancen von Le Pen auf 40 Prozent. Doch die politische Zukunft des Landes entscheidet sich nicht nur mit dieser Wahl. Der Präsident benötigt Unterstützung im Parlament, um seine Politik umzusetzen.

Das Parlament wird Mitte Juni gewählt. Schon jetzt ist aber klar, dass weder Marine Le Pen noch Jean-Luc Mélenchon viel Rückendeckung im neuen Parlament erwarten könnten. Deshalb droht trotz der Wahlchancen der Euro-Gegnerin Le Pen auch kein «Frexit»: Die UBS beziffert das Risiko, dass Frankreich den Währungsraum verlässt, auf nur 10 bis 20 Prozent.

 

Anzeige