Bei einer Schiesserei vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse sind mindestens vier Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind drei Kinder, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Getötet wurden demnach ein Religionslehrer und seine beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren. Das vierte Todesopfer sei zehn Jahre alt gewesen. Es gebe zudem mindestens einen Schwerverletzten.

«Ähnlichkeiten» zu früheren Attentaten

Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine Verbindung zu zwei früheren Mordangriffen in Toulouse und der nahe gelegenen Stadt Montauban. Der unbekannte Täter, der am Morgen das Feuer vor einer jüdischen Schule eröffnete, ging offenbar ähnlich vor wie bei den tödlichen Schüssen auf französische Soldaten vergangene Woche in derselben Region.

Er fuhr laut Augenzeugen einen Motorroller und schoss am helllichten Tag unvermittelt auf eine Gruppe von Eltern und Schülern in dem Wohnviertel. Ein Augenzeuge berichtete, der Mann habe aus nächster Nähe auf seine Opfer gefeuert.

Dabei benutzte er laut Polizei auch eine Waffe vom Kaliber 11,43 Millimeter. Insgesamt trug er zwei Waffen bei sich. Ein Sprecher des Innenministeriums sprach von «Ähnlichkeiten» der kaltblütig ausgeführten Tat mit den früheren Angriffen, warnte aber vor vorzeitigen Rückschlüssen.

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Sarkozy und Hollande reisen zum Tatort

Das Innenministerium ordnete eine verschärfte Überwachung jüdischer Einrichtungen in Frankreich an. Präsident Nicolas Sarkozy sprach von einer «schrecklichen Tragödie». Dem Sender RFO sagte er: «Die gesamte französische Republik ist berührt von diesem entsetzlichen Drama.»

Sarkozy kündigte an, noch Montag nach Toulouse zu fahren. Auch der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande teilte mit, aus "Solidarität" in die Stadt reisen zu wollen. Die Gewalttaten bringen das Thema Sicherheit im laufenden Präsidentenwahlkampf auf der Tagesordnung weiter nach oben.

Hintergründe völlig unklar

Die jüdische Gemeinde stehe unter Schock, berichtete der Vize-Präsident der liberalen jüdischen Gemeinde, Boaz Gatz. Zahlreiche andere ranghohe Vertreter der jüdischen Gemeinden in Frankreich äusserten sich ähnlich.

Das in Brüssel ansässige Rabbiner-Zentrum für Europa (Rabbinical Centre of Europe, RCE) verurteilte die Tat in einer Erklärung als «Barbarei». Die jüdische Gemeinschaft lasse sich nicht einschüchtern. «Wir werden mehr Schulen, Synagogen und andere jüdische Einrichtungen bauen.»

Das israelische Aussenministerium sprach von «Entsetzen», mit dem Israel die Nachricht aufgenommen habe. Die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström verurteilte den Angriff scharf. In einer Botschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter nannte Malmström die Tat «fürchterlich».

Die Hintergründe der Bluttat sind noch völlig unklar. Wegen der Mordanschläge auf Soldaten wurde eine Sonderkommission eingerichtet. Die drei Getöteten sollen nordafrikanischer Abstammung sein; das noch in Lebensgefahr schwebende vierte Opfer ist ein Franzose schwarzer Hautfarbe von der Karibikinsel Guadeloupe.

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(vst/sda)