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Arbeitszeit
Vier Wochen Urlaub für Väter: «Zeit ist reif»

Mehr Zeit mit dem Vater: Travail.Suisse will die Arbeitszeit neu regeln.   Keystone

Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse will einen Vaterschaftsurlaub über vier Wochen einführen. Laut Verband findet das Anliegen zunehmend Gehör. Der Bundesrat prüft.

Veröffentlicht am 15.05.2014

Travail.Suisse möchte in der Schweiz einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub einführen. Laut dem Gewerkschaftsdachverband entspricht dies einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Finanzieren will er das Vorhaben über die Erwerbsersatzordnung (EO). Ein Vaterschaftsurlaub «wäre ein kleiner Schritt für die Sozialpolitik, aber ein grosser Schritt für Väter», sagte der Leiter Sozialpolitik von Travail.Suisse, Matthias Kuert Killer, am Donnerstag an der Medienkonferenz in Bern.

Heute gewährten viele Schweizer Arbeitgeber frisch gewordenen Vätern nur ein bis zwei bezahlte Freitage – dies entspreche nicht dem Bedürfnis heutiger Väter, sagte Kuert Killer.

Travail.Suisse schlägt ein ähnliches Modell vor wie bei der Mutterschaftsversicherung: Väter sollen nach der Geburt eines Kindes über einen Zeitraum von einem Jahr an 20 Arbeitstagen am Arbeitsplatz fehlen können.

Hemmschwelle bei Teilzeitarbeit

An diesen inklusive Wochenenden 28 Tagen würden sie 80 Prozent des Lohnes erhalten. Die Tage sollen auch einzeln bezogen werden können – ein Mann könnte also beispielsweise während 20 Wochen statt zu 100 nur zu 80 Prozent arbeiten. Die Organisation möchte mit dieser Regelung auch die Teilzeitarbeit von Männern fördern. «Die Väter und die Betriebe sollen auf den Geschmack kommen», sagte Kuert Killer. Heute bestehe in Bezug auf die Teilzeitarbeit oft eine Hemmschwelle.

Der Bundesrat hat das von Travail.Suisse vorgeschlagene Modell letzten Herbst geprüft und die Kosten mit jährlich rund 384 Millionen Franken beziffert. Zur Finanzierung eines Vaterschaftsurlaubs müssten die Beitragssätze für die EO nicht oder nur sehr moderat erhöht werden, sagte Kuert Killer. Die finanziellen Perspektiven des Sozialwerks seien gut.

Gemäss dem mittleren Szenario des Bundesrats wird das Kapital der EO bis 2035 auf knapp 8 Milliarden Franken anschwellen. Zurzeit zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam 0,5 Prozent eines Lohnes in die EO ein.

Das Modell sei auch attraktiv für Kleine und Mittlere Unternehmen, betonte die Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse, Valérie Borioli Sandoz. Heute sei es für KMU oft viel schwieriger als für Grossbetriebe, ihren Angestellten einen Vaterschaftsurlaub zu gewähren.

Bundesrat prüft

Travail.Suisse fordert seit 2007 einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. Das Anliegen gewinne immer stärker an Akzeptanz, glaubt Matthias Kuert Killer. «Das Thema ist reif.» Travail.Suisse verwies auch auf eine diesen Frühling eingereichte parlamentarische Initiative von Nationalrat Martin Candinas. Der Bündner CVP-Politiker verlangt einen zweiwöchigen via EO finanzierten Vaterschaftsurlaub.

Für den Bundesrat hat ein Vaterschaftsurlaub zurzeit nicht Priorität, wie er letzten Herbst erklärte. Er lässt aber bis Mitte 2014 prüfen, ob Mütter und Väter das Recht erhalten sollen, nach der Geburt eines Kindes das Arbeitspensum um bis zu 20 Prozent zu reduzieren.

(sda/me)

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