Petro Poroschenko soll die krisengeschüttelte Ukraine in einer bessere Zukunft führen. Nach seiner Vereidigung am Samstag machte er umgehend klar, dass diese in der Europäischen Union liegen soll und dass er sich mit dem russischen Treiben in der Ukraine während der vergangenen Monate nicht abfinden will. «Die Krim war und bleibt ukrainisch», sagte der 48-Jährige in seiner Antrittsrede.

Schon kurz nach seinem klaren Sieg bei der Präsidentschaftswahl am 25. Mai hatte Poroschenko klargemacht, dass er im Konflikt mit den prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine keine Kompromisse machen will: «Es gibt keine Gespräche mit Terroristen», sagte er. Die Ostukraine dürfe nicht «zu einem Somalia» werden. Trotz der Warnungen aus Moskau und der G7-Staaten setzt er den Militäreinsatz gegen die Separatisten unbeirrt fort.

Versöhnliche Töne

Obwohl Moskau weiterhin ein umgehendes Ende des Einsatzes verlangt, liessen am Freitag sowohl Poroschenko als auch Russlands Staatschef Wladimir Putin versöhnliche Töne verlauten. Beide kamen am Rande der Feiern zur Landung der Alliierten in der Normandie vor 70 Jahren in Frankreich erstmals zusammen. Putin sagte danach, Poroschenkos Ansätze zur Lösung des Konflikts seien «insgesamt richtig». Poroschenko sah seinerseits «gute Chancen» auf einen Dialog zur Beilegung der Krise.

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Als einziger Oligarch des Landes hatte sich Poroschenko offen hinter die prowestliche Bewegung gestellt, die monatelang auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew demonstrierte und den Sturz von Staatschef Viktor Janukowitsch herbeiführte. Dabei war er zugleich ihr wichtigster Geldgeber. Einer Schätzung des US-Magazins «Forbes» zufolge beläuft sich sein Vermögen auf umgerechnet 1,2 Milliarden Franken.

Es begann mit Kakaobohnen

Reich wurde Poroschenko nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren. Anders als die meisten Oligarchen der Ukraine, die sich seinerzeit billig Staatseigentum unter den Nagel rissen, erarbeitete er sich nach eigenen Angaben seinen Reichtum aber selbst. Er begann mit dem Verkauf von Kakaobohnen, übernahm mehrere Süsswarenfabriken und gründete schliesslich den Branchengiganten Roschen, der nach Firmenangaben 450'000 Tonnen Süsswaren pro Jahr herstellt - daher der Spitzname Schokoladenbaron.

Heute gehört Poroschenko zu den zehn reichsten Ukrainern. Ihm gehören auch Automobil- und Busfabriken, eine Werft und nicht zuletzt ein oppositionsnaher Fernsehsender, der live von den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew berichtete. In die Politik ging Poroschenko im Jahr 1998 als Abgeordneter im Windschatten des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Zwei Jahre später gründete er mit Gleichgesinnten die Partei der Regionen, in der auch der im Februar gestürzte Janukowitsch gross wurde.

Politisch flexibel

Bald tat sich Poroschenko aber mit seinem Freund Viktor Juschtschenko zusammen, der im Jahr 2004 zum Helden der orangenen Revolution wurde und zum ukrainischen Staatschef aufstieg. Unter Juschtschenko war Poroschenko in den Jahren 2009 und 2010 Aussenminister, blieb aber politisch flexibel: Als in Kiew wieder Janukowitsch ans Ruder gelangte, übernahm er im Jahr 2012 kurzzeitig das Amt des Wirtschaftsministers. Seine Kritiker werfen ihm vor, Politik und Wirtschaftsinteressen vermengt zu haben, während er an der Macht war.

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Gerade wegen seiner Erfahrung und guten Kontakte zur Geschäftswelt halten ihn viele jetzt offenbar für prädestiniert, den freien Fall der ukrainischen Wirtschaft aufzuhalten und das Land zu einen. Zugleich ist Poroschenko aber zuzutrauen, dass er eine gemeinsame Sprache mit Putin findet. «Ich kenne Putin gut», sagte Poroschenko jüngst der Nachrichtenagentur AFP. Auch wenn dieser ein «harter und schwieriger Verhandlungspartner» sei, traue er sich zu, mit ihm einen Kompromiss zu finden.

(sda/se)