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Vontobels Zwei-Milliarden-Limite für Hoeness

Uli Hoeness: Ende Dezember 2013 schmeckte im die Zigarre noch.   Keystone

Neue Recherchen belegen: Der Ex-Präsident des FC Bayern München konnte bei der Bank Vontobel seine Devisenspekulationen mit einem Hebel des zwölffachen Eigenkapitals tätigen.

Von Jörg Eigendorf/Sebastian Jost/Tim Röhn («Die Welt)»
am 30.03.2014

Uli Hoeness konnte mit seinen Devisengeschäften weitaus grössere Summen bewegen als bisher bekannt. In der Spitze konnte der ehemalige FC-Bayern-Präsident nach Recherchen der «Welt am Sonntag» mit knapp zwei Milliarden Euro spekulieren. Möglich machte dies ein sogenannter Hebel, mit dem ihn die Bank Vontobel in Zürich in die Lage versetzte, das Zwölffache seines Eigenkapitals einzusetzen.

Der Einsatz von Hebeln ist bei Devisengeschäften üblich. Dabei hat ein Kunde zwei Konten bei einer Bank. Auf dem sogenannten Marginkonto liegt sein eigener Einsatz, das Eigenkapital. Daneben gibt es das eigentliche Handelskonto – hier kann der Kunde in der Regel über ein Vielfaches seines Eigenkapitals verfügen, weil ihm die Bank einen Kredit gewährt, der mit dem Geld auf dem Marginkonto besichert ist.

Ende 2005 rund 164 Millionen Euro auf dem Konto

Lag der höchste Jahresendstand (2005) auf Hoeness' Marginkonten bei 164 Millionen Euro, so konnte er zu diesem Zeitpunkt mit knapp zwei Milliarden Euro spekulieren. Denn nach Informationen der «Welt am Sonntag» aus gut informierten Kreisen gewährte Vontobel dem Bayern-Manager im Durchschnitt einen Hebelfaktor von zwölf. «Und ein Kunde, der so aktiv ist, hat diesen Rahmen wohl auch ausgenutzt», sagt ein Branchenkenner.

Grosse Erfolge an den Devisenmärkten verzeichnete Hoeness allerdings nur in den ersten Jahren seiner Spekulationen. 2003 und 2005 verbuchte er jeweils gewaltige Gewinne. Ende 2003 lagen nach Informationen der «Welt am Sonntag» etwas mehr als 100 Millionen Euro auf seinem Marginkonto, zwei Jahre später waren es gar 164 Millionen Euro, die sich bis Ende 2007 wieder auf 108 Millionen reduziert hatten.

Absturz mit der Finanzkrise

Dann kam der Absturz. Ende 2008, also im Jahr der Finanzkrise, waren es nur noch 37 Millionen, ein Jahr später dann 36 Millionen Euro. Anschliessend gab es offenbar keine größeren Transaktionen mehr.

Unterm Strich hatte er also knapp 14 Millionen Euro an eigenem Kapital und einen Kredit sowie eine Bürgschaft von knapp acht Millionen eingesetzt und sein Eigenkapital auf 36 Millionen steigern können. Die Steuerschuld könnte diese Gewinne allerdings mehr als aufzehren, da die Gewinne frühzeitig und die Verluste erst später anfielen.

Dieser Artikel ist zunächst in unserer Schwester-Publikation «Die Welt» erschienen.

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