Ziehen Politiker ihre Verhandlungsgegner erpresserisch über den Tisch und vermeiden einen fairen Beitrag etwa zum Erreichen der Klimaziele, haben sie gute Chancen, wiedergewählt zu werden. Dies ergab das Experiment eines internationalen Forscherteams.

Weil sie ihr Gegenüber damit zu extremer Kooperation nötigen, kann ein Ziel trotzdem erreicht werden, schreiben die Forscher im Fachblatt «Nature Communications».

Erpresserisches Verhandeln maximiert Gewinne

In einem Experiment teilten die Forscher Versuchspersonen in «Ländergruppen» auf, die Repräsentanten für fiktive «Klimaverhandlungen» wählten. Sie sollten nach zehn Verhandlungsrunden gemeinsam eine Geldsumme bereitstellen, um ein «Klimaziel» zu erreichen. Jedes «Land» hatte dazu einen Geldtopf.

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Für die einzelnen Verhandler war es gut, wenn sie wenig beitrugen: «Wenn sie nämlich genug Geld auftreiben konnten, um das Klimaziel zu erreichen, durften sie und ihre 'Wähler' den Rest behalten», erklärte Studienautor Christian Hilbe vom Institute of Science and Technology Austria (IST) in Klosterneuburg der Nachrichtenagentur APA.

Allerdings nur, wenn das Ziel erreicht wurde, sonst war alles Geld verloren. «Damit imitierten wir die dramatischen ökonomischen Verluste durch den Klimawandel», so die Forscher.

Unbedeutende Zugeständnisse

Egoistische Repräsentanten, die weniger als den fairen Beitrag aus ihrem Ländertopf leisteten, wurden bei darauf folgenden «Neuwahlen» bevorzugt wiedergewählt, berichten sie. Die «Staatsbürger» schickten sie wieder zu Verhandlungen, obwohl sie hauptsächlich die eigenen Interessen verfolgt hatten und einen kollektiven Verlust riskierten.

«Wir konnten zeigen, dass die egoistischen Vertreter gleichzeitig Erpresser sind», so Hilbe. Sie haben von einem viel zu niedrigem Angebot ausgehend in den einzelnen Verhandlungsrunden immer wieder unbedeutende Zugeständnisse gemacht.

Einigung auf Kosten der fairen Politiker

Gleichzeitig haben sich die kooperierenden "Politiker" über den Tisch ziehen lassen und aus ihrem Budget kräftig nachgelegt. Am Schluss wurde das «Klimaziel» trotz unfairer Beiträge in der Mehrheit der Fälle erreicht. Die egoistischen Erpresser hatten die Profite für sich und ihre Wähler auf Kosten der Kooperatoren maximiert.

«Für mich war es spannend zu sehen, dass die Leute wollen, dass ihre Vertreter egoistischer vorgehen, als sie es selber tun würden», sagte Hilbe.

Auch Personen, die in - im Experiment geforderten - «nicht bindenden Wahlversprechungen» ankündigten, egoistisch verhandeln zu wollen, kamen öfter zum Zug. «Da Vertreter bevorzugt wiedergewählt werden, wenn sie egoistisch handeln, handeln sie eben egoistisch», erklärten die Forscher.

Ohne Vertreter geht es nicht

Die Studie beantworte auch die Frage, warum die Menschen weiter Politiker ins Rennen schicken, die anscheinend nicht genügend zum Erreichen globaler Ziele beitragen. «Auch wenn die Repräsentanten ihre Verhandlungsmacht ein bisschen ausnützen, ist es gut, sie zu haben», sagte Hilbe. Denn sollten nicht nur die Gruppenvertreter, sondern alle Teilnehmer gemeinsam entscheiden, kam es zu gar keinem Erfolg.

Mit ihren unerschütterlichen Strategien lockten die Erpresser das Maximum aus der bereits vorhandenen Bereitschaft der fairen Mitspieler, zum Erreichen eines gemeinsamen Ziels beizutragen, so die Forscher.

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«Wir schlussfolgern - mit mehr als nur einem Hauch von Machiavellistischen Denken - dass solche Erpressung der Abwendung des gefährlichen Klimawandels dienen kann», erklärten sie. Hilbes Nachsatz: «bleibt es zu hoffen».

(sda/chb)