Zwei Tage hält die Waffenruhe in Syrien bereits - mehr oder weniger. Doch die Lage ist äusserst fragil. Mehrere syrische Rebellengruppen haben den Regierungstruppen vorgeworfen, gegen die landesweite Waffenruhe zu verstossen, und mit einer Wiederaufnahme der Kämpfe gedroht.

«Das kontinuierliche Eindringen des syrischen Regimes in Gebiete, die von Revolutionsfraktionen gehalten werden, wird zu einem Ende der Absprachen führen», heisst es in einem Schreiben, das mehrere Rebellengruppen unterzeichnet und am Samstag veröffentlicht haben. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete dagegen von mehreren Verstössen der Aufständischen gegen die Waffenruhe

Schwere Kämpfe

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind im abgelaufenen Jahr mindestens 49'742 Menschen in Syrien getötet worden. Darunter seien mehr als 13'600 Zivilisten.

In den meisten Teilen des Landes werde die Waffenruhe am zweiten Tag ihrer Gültigkeit eingehalten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Allerdings habe es erneut schwere Kämpfe und Luftangriffe nordwestlich der Hauptstadt Damaskus gegeben.

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Dort liefern sich Rebellen und regierungstreue Truppen im Tal Wadi Barada heftige Gefechte. In dem Gebiet liegen wichtige Quellen, die für die Wasserversorgung der Hauptstadt wichtig sind. Den Vereinten Nationen zufolge sind bis zu vier Millionen Menschen in und um Damaskus von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Extremisten machen nicht mit

Unter der Vermittlung Russlands und der Türkei hatten die syrische Führung und Rebellengruppen ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Kraft ist.

Ausgenommen von der Feuerpause sind extremistische Gruppen wie die Terrormiliz Islamischer Staat und die frühere Nusra-Front (heute: Dschabhat Fatah al-Scham), die sich vor einigen Monaten offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt hatte.

Widersprüchliche Informationen

In einer weiteren Stellungnahme riefen verschiedene oppositionsnahe Hilfsorganisationen dazu auf, die Kämpfe um das Tal bei Damaskus zu beenden. Die Zivilisten seien von der Aussenwelt abgeschnitten und ihnen fehle es am nötigsten.

Die Gruppen behaupteten, dass die bewaffneten Rebellen nicht mit der islamistischen Dschabhat Fatah-Al Scham zusammenarbeiten würden. Es gebe keine Kämpfer dieser Gruppe in dem Tal. Sollten die Angriffe der syrischen Armee aufhören, werde man Wartungsteams Zugang zu den Wasserquellen gewähren.

Die Rolle der früheren Nusra-Front hatte schon mehrfach zu einem Scheitern von Waffenruhen in Syrien geführt, weil teilweise vom Westen anerkannte Rebellengruppen mit den kampfstarken Islamisten Seite an Seite kämpfen.

Türken führen Angriffe fort

Im Norden Syriens setzte auch die türkische Armee ihre Offensive gegen den IS fort und bombardierte Stelleungen der Dschihadisten. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf die Streitkräfte, dabei seien unter anderem in der umkämpften Stadt Al-Bab zwölf Ziele zerstört worden. 

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Bei Angriffen aus der Luft und am Boden seien 23 IS-Terroristen «neutralisiert» worden. Damit ist im Sprachgebrauch türkischer Behörden gemeint, dass sie entweder getötet, verletzt oder gefangen genommen und damit kampfunfähig gemacht wurden. Die türkische Offensive zur Eroberung von Al-Bab dauert seit Tagen an. Seit vorvergangenem Mittwoch kostete sie mindestens 17 türkische Soldaten das Leben. 

UNO-Abstimmung steht an

Später am Samstag sollte der UNO-Sicherheitsrat über eine Resolution zur bereits in Kraft getretenen Feuerpause und über Gespräche für einen Friedensplan in Syrien abstimmen. Russland hatte nach eigenen Angaben einen Resolutionsentwurf in Umlauf gebracht. Dies geschehe "in der Hoffnung, dass der Sicherheitsrat diese Regelungen befürworten wird", sagte Russlands UNO-Botschafter Witali Tschurkin.

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(sda/jfr)