Der Startschuss ist gefallen: Rund 815 Millionen Inderinnen und Inder sind ab heute aufgerufen, eine neue Regierung zu bestimmen. Damit beginnt die grösste demokratische Wahl der Geschichte: Jeder sechste Mensch der Welt soll in den kommenden vier Wochen seine Stimme abgeben. Die Mammutwahl dauert bis zum 12. Mai. Erste Ergebnisse werden für den 16. Mai erwartet.

Die mit Abstand besten Aussichten auf einen Wahlerfolg werden dem Politiker Narendra Modi und seiner hindu-nationalistischen Bharatya Janara Partei (BJP) zugerechnet.

In seinem heute veröffentlichten wirtschaftlichen Manifest spricht Modi sich für Investitionen in Infrastruktur aus und stellt die Bekämpfung der grassierenden Korruption in Aussicht. Auch die hohe Inflation von knapp zehn Prozent will er eindämmen. Ein weiterer Brennpunkt: Die indische Rupie verlor im vergangenen Jahr rund 20 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar.

Modi gilt als wirtschaftsfreundlich

Modis Anhänger halten den 63-Jährigen freilich für den geeigneten Mann, um die drängenden Wirtschaftsprobleme in den Griff zu bekommen. Als Argument führen sie an, Modi habe als Minister des indischen Bundesstaats Gujarat seit 2001 viele ausländische Direktinvestitionen anziehen können. Im Schnitt wuchs die Wirtschaftsleistung Gujarats in den 2000er Jahren denn auch schneller als die des restlichen Landes.

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Unter dem Schlagwort «Modinomics» diskutieren Beobachter bereits die wirtschaftliche Kompetenz des Mannes. Laut Leif Eskesen, Chefökonom für Indien bei der Grossbank HSBC, gilt der konservative Modi als wirtschaftsfreundlich. Doch er warnt vor zu grossen Erwartungen.

Indiens Wachstumsschwäche trifft die Schweiz

Denn so einfach läuft Wirtschaft nicht – vor allem angesichts der grossen Herausforderungen des Landes. «Eine neue Regierung kann den Investitionszyklus nicht schnell wiederbeleben», sagt auch Waseem Hussain, Geschäftsleiter der Marwas AG in Zürich. Seit rund 20 Jahren unterstützt er als Projektleiter und Berater Schweizer Unternehmen, die in Indien Fuss fassen wollen.

Wie wichtig Indien für die Schweiz ist, zeigte sich, als die südasiatische Wirtschaft im vergangenen Jahr lediglich um knapp vier Prozent wuchs – nur noch gut ein Drittel der Rate nach der globalen Finanzkrise im Jahr 2010. Gegenüber 2012 brachen die Schweizer Exporte 2013 um fast ein Viertel ein.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) führt als Hauptgründe für diese Entwicklung den starken Schweizer Franken und die schwache Rupie an. Gleichzeitig spielten demnach aber auch Indiens Wachstumsschwäche und das gedämpfte Investitionsklima in dem Land eine Rolle.

«Riesiges Potenzial» für die Schweiz

«Mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern, steigenden Einkommen und dem Nachholbedarf im Infrastrukturbereich besitzt der indische Markt für die Schweizer Wirtschaft trotz Schwierigkeiten ein riesiges Potential», kam das Seco in einer kürzlich veröffentlichten Analyse zum Schluss. Deshalb geniesse das Land auch in der Aussenwirtschaftspolitik eine entsprechend hohe Priorität.