Die Debatte um die Zukunft der Schweizer Armee kommt in die heisse Phase: Ueli Maurer trat heute vor die Medien und wetterte gegen die Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht. Falls die Mehrheit der Bürger am 22. September dem Volksbegehren dennoch zustimmt, darf Herr Schweizer künftig freiwillig entscheiden, ob er den Militärdienst antreten will oder nicht.

Das könnte durchaus positive wirtschaftliche Folgen haben. «So könnten wir die riesigen volkswirtschaftlichen Kosten eindämmen», sagt Reiner Eichenberger, Wirtschaftsprofessor der Universität Freiburg. Die Armee sei aktuell viel zu teuer, so der Experte der Westschweizer Uni.

Längere Studienzeit

Im internationalen Vergleich ist laut Maurer die Armee mit Kosten von 5 bis 5,4 Milliarden Franken pro Jahr günstig. In seiner Kostenaufstellung würden jedoch zusätzliche Aufwendungen unter den Teppich gewischt, unter anderem die hohen Gebäudekosten oder auch Absenzen. «Die durch die Diensttage entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf wenigstens 3,5 Milliarden Franken, die nicht im Armeebudget enthalten sind», sagt Eichenberger.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Studienzeit: Durch obligatorische Einsätze in der Armee würden junge Menschen in Ausbildung ihre Studienzeit verschleppen und somit später in den Arbeitsmarkt treten. Das bringt Nachteile - die Lebensarbeitszeit sinkt.

Pluspunkt politische Stabilität

Auch wenn die Ausgaben des Militärs nicht eindeutig sind, ist laut ETH-Studie eines klar: Das Schweizer Volk ist gegenüber der Höhe der Verteidigungsausgaben eher kritisch eingestellt. Die persönlichen Kosten, welche entstehen, sind der zweithäufig genannte Grund, wenn es um die Schattenseiten der Wehrpflicht geht – neben «sinnlosen Regeln und Übungen». Zudem teilt jeder Dritte die Ansicht, dass eine Armee mit Wehrpflicht zu höheren Kosten führt als eine freiwillige Armee.

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Für Jean-François Rime, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands, wiegt das Kostenargument weniger. Wichtig für ihn sei in erster Linie die politische Stabilität und Sicherheit, welche nur die Armee garantieren könne. Für die Wirtschaft sei die Wehrpflicht ein Gewinn: «Immer mehr Spezialisten wie Informatiker, Ingenieure und Handwerker werden in der Armee ausgebildet». In einer freiwilligen Berufsarmee könnten dieselben Kriterien nicht erfüllt werden.

Berufserfahrung wichtiger

Fraglich bleibt für Rime aber, ob die Anzahl von 150'000 aktiven Soldaten wirklich legitimierbar ist. «Momentan sind wir dabei, die Schweizer Armee zu verkleinern», sagt er. Dies führe zu weniger Diensttagen und somit mehr Arbeitszeit im Betrieb. Für Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger wäre dies aus ökonomischer Perspektive ein Vorteil: «Die Berufserfahrung ist für unsere Volkswirtschaft am Ende wichtiger als die Tatsache, ob jemand den Militärdienst ausgeführt hat oder nicht».