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Finanzstreit
Washington wieder im Arbeitsmodus

Arbeiter am Lincoln Memorial: In Washington kehrt wieder Normalität ein. (Bild: Keystone)

Berge unerledigter Arbeit, ungeduldige Touristen und finanzielle Schäden: Der Verwaltungsstillstand in den USA hat einen hohen Preis gefordert. Doch nun kehrt Normalität ins öffentliche Leben zurück.

Veröffentlicht am 17.10.2013

Der Stabschef von Präsident Barack Obama höchstpersönlich steht am Donnerstagmorgen an der Pforte eines Verwaltungsgebäudes des Weissen Hauses und begrüsst Beamte lächelnd mit einem «Guten Morgen!». Im kurzärmeligen Hemd und mit einem Bleistift hinterm rechten Ohr verteilt Denis McDonough aufmunternde Schulterklopfer an Kollegen, die nach 16 Tagen Zwangsferien wieder ins Büro kommen dürfen.

Für die US-Regierung ist es das Ende einer Tortur. In der Machtzentrale der Welt blieb vieles liegen, Akten stapeln sich, unbeantwortete E-Mails gehen in die Millionen. Im Garten von First Lady Michelle Obama verrottete sogar das Gemüse, wie es hiess, weil die Gärtner wie Hunderttausende andere Staatsangestellte nicht arbeiten durften. Alle werden nachträglich bezahlt.

Was wie geschenkte Herbstferien klingen mag, hat viele Betroffene mächtig genervt. «Die letzten zwei Wochen waren erstaunlich stressig», sagt Michael Levin, der bei der Gesundheitsbehörde arbeitet.

Nervenaufreibende Zwangsferien

Die Ungewissheit, ob er wirklich rückwirkend bezahlt wird und wann er wieder arbeiten kann, zehrte an seinen Nerven. «Die Leute werden eigentlich Beamte, um Stabilität zu haben. Diese Situation hat die Annahme infrage gestellt», sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Washington.

Zurück bei der Arbeit erwartet ihn nun eine Menge Ärger. Zeitpläne für Projekte sind völlig durcheinandergeraten. Es werde Wochen oder gar Monate dauern, wieder richtig produktiv zu sein, sagt er. «Die Tatsache, dass diese Erfahrung sich im Januar oder Februar wiederholen könnte, ist ebenso frustrierend.» Denn Mitte Januar läuft der Übergangsetat aus, auf den sich die Parteien geeinigt haben. Und im Februar muss die Schuldengrenze erneut erhöht werden.

Aufatmen bei Touristen

Für die vielen Touristen in Washington ist das erst einmal unwichtig. Am Donnerstag stürmten bei warmem Sonnenschein ganze Busladungen die Sehenswürdigkeiten, die während des Shutdowns dicht waren. «Wir sind sehr glücklich, dass jetzt wieder alles geöffnet ist», sagt Karla Ostlund. Traurig sei sie gewesen, als sie und ihre Kinder vor einer Woche in die Stadt kamen und kaum Denkmäler besuchen konnten. «Unsere ganze Gruppe hat ein Jahr lang gespart, um all diese Dinge zu sehen», sagt die 48 Jahre alte Bankmitarbeiterin aus North Dakota.

Auch die deutsche Touristin Ann-Kathrin Danner aus Aichtal bei Stuttgart war irritiert. «Es kommt einem schon etwas verrückt vor. Bei uns in Deutschland würde es das ja nicht geben», sagt die 23-jährige angehende Grundschullehrerin auf den Stufen des mächtigen Denkmals für Präsident Abraham Lincoln in Washington. Sie habe sich aber auf ihrer US-Reise kaum von den Absperrungen abhalten lassen. Sogar den Grand Canyon habe sie gesehen. Rausgeworfen habe sie niemand. Wer auch, denn die Park-Ranger waren ja selbst ausser Dienst.

«Eine Menge Menschen haben gelitten»

«Es hat sich ein bisschen wie Urlaub angefühlt. Ich war nicht so sauer wie ich gedacht hätte. Es war mehr ein Geduldsspiel», sagt etwa Paul Fox, der diesen Job in der Hauptstadt hat. Er könne ja auf jeden Fall erwarten, sein Geld zurückzubekommen, meint der 29-Jährige entspannt.

Viele Amerikaner sind sauer, dass die Republikaner den Verwaltungsstillstand erzwungen haben. «Ich verstehe nicht, was das alles sollte. Eine Menge Menschen haben darunter gelitten und ich finde nicht, dass irgendetwas dadurch erreicht wurde», sagt Susan O'Connell, eine 61 Jahre alte Rentnerin aus Arizona.

Am Tag nach der Einigung im Finanzstreit scheint Washington im Normalmodus. Die U-Bahn fährt im Berufsverkehr wieder mit acht Waggons pro Zug statt mit sechs. Die Zahl der Aktenkofferträger auf den Strassen hat sich vervielfacht. Und selbst der Livestream des beliebten Panda-Babys im Washingtoner National Zoo ist wieder am Netz. Washington ist wieder im Arbeitsmodus - zumindest bis Januar.

(awp/moh/chb)

 

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