In München ist am späten Montagabend ein weiterer in Ungarn gestarteter Zug mit Flüchtlingen angekommen. Nach den Worten eines Polizeisprechers befanden sich etwa 200 bis 300 Menschen in dem Zug.

Die Personalien der Migranten wurden zum Teil noch am Münchner Hauptbahnhof erfasst, zum Teil wurden die Menschen direkt mit von der Regierung von Oberbayern eingesetzten Bussen in Flüchtlingsunterkünfte in ganz Bayern gebracht.

Meist aus Syrien

Mehrere Menschen begrüssten die zu einem grossen Teil aus Syrien stammenden Menschen mit einem Willkommens-Schild und Lebensmitteln. Eine Gruppe Flüchtlinge reagierte mit «Wir lieben Deutschland»-Rufen auf den Empfang.

Nach den Worten einer in Salzburg in den Zug zugestiegenen Münchnerin war die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge während der Fahrt sehr gross. In Salzburg habe sie eine Hilfsorganisation mit zahlreichen Lebensmitteln versorgt. Ausserdem gab es Wasser für die Menschen in dem Zug.

Viele junge Männer

Unter den in München angekommenen Flüchtlingen waren zum grössten Teil junge Männer, dazu einige einzelne Frauen und mehrere Familien. Ein Vater von vier kleinen Kindern, der mit seiner Frau in München ankam, erzählte, sie seien vor mehreren Wochen mit den kleinen Kindern aus Aleppo geflohen.

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«Ich bin jetzt froh, dass wir es bis München geschafft haben», sagte er einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP, bevor ihn bayerische Polizeibeamte mit zur Aufnahme der Personalien nahmen.

Auch in der Schweiz waren am Montag Flüchtlinge in Zügen aus Ungarn angekommen. Die Schweizer Grenzwächter übergaben die Ankömmlinge der Kantonspolizei St. Gallen, wie das Grenzwachtkorps mitteilte.

Kritik der österreichischen Regierung

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann hat die ungarische Regierung am Montagabend heftig für deren Flüchtlingspolitik kritisiert: «Dass die in Budapest einfach einsteigen (...), und man schaut, dass die zum Nachbarn fahren - das ist doch keine Politik», sagte Faymann im ORF-Fernsehen.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban müsse dafür sorgen, dass in seinem Land Gesetze eingehalten würden und es Kontrollen gebe. «Wo ist denn da der starke Regierungschef, der immer auffällt durch besonders undemokratische Massnahmen», fragte Faymann.

Allerdings gab es auch in Wien, wo viele der Migranten in Züge nach Deutschland umstiegen, keine Polizeikontrollen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen vermeldete.

Faymann mahnte weiter, Europa müsse zusammenstehen, um eine Lösung für das Problem zu finden und eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf alle Mitgliedsstaaten zu erreichen. Länder wie Grossbritannien, Tschechien, die baltischen Staaten oder Polen könnten sich vor der gemeinsamen Verantwortung nicht drücken.

(sda/chb)