Viele Zentralbanken prüfen immer noch die Möglichkeit, eine digitale Währung herauszugeben. China hat bereits seit dem letzten Jahr mit einer Reihe von Pilotprojekten eine solche Währung eingeführt.

Der eRMB wird nicht dazu beitragen, die globale Dominanz des Dollar herauszufordern. Seine eigentliche Bedeutung liegt vielmehr in seinem Potenzial, das Gleichgewicht zwischen Chinas Technologiegiganten und den traditionell staatseigenen Banken zu verändern – und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Banken zu verbessern.

Shang-Jin Wei ist Professor für Finance & Economics sowie für Chinese Business and Economy an der Columbia University in New York.

Die Pilotprojekte sind durch eine zweischichtige Struktur mit «kontrollierter Anonymität» gekennzeichnet. Dabei gibt die Chinesische Volksbank – die Zentralbank des Landes – eRMB an eine genehmigte Gruppe grosser staatseigener Banken und anderer ausgewählter Finanzinstitute heraus, die das Geld dann den Haushalten und Unternehmen zur Verfügung stellen – also letztlich den Zielgruppen dieser Digitalwährung.

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Im Gegensatz zu anderen bei den Zentralbanken diskutierten Digitalwährungen führen die chinesischen Firmen und Haushalte kein eRMB-Konto direkt bei der Volksbank, was diese vor möglichen Störungen schützt.

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Die ausgewählten Finanzinstitute sehen nur einen Teil des digitalen Fussabdrucks der Personen oder Unternehmen – wenn sie beispielsweise Mittel mithilfe von eRMB einzahlen oder abheben – und sie sollen die Informationen auch nicht länger als benötigt aufbewahren. Dies ist der «anonyme» Teil der «kontrollierten Anonymität». Der «Kontrollteil» hingegen besteht darin, dass die Volksbank die gesamte Historie der Bewegung einer bestimmten eRMB-Einheit sehen kann.

In den Pilotprojekten wurden eRMB als digitale Geschenke an zufällig ausgewählte Personen verteilt. Bei einer flächendeckenden Verbreitung wird die Regierung mehrere Werkzeuge nutzen können, um die Zielgruppen zu einer stärkeren Verwendung der Währung zu ermutigen.

Beispielsweise könnte sie die Gehälter der Angestellten der Regierung und der staatseigenen Konzerne – etwa 15 Prozent aller Arbeitskräfte – sowie die öffentlichen Pensionen in eRMB auszahlen. Ausserdem könnten auch öffentliche Beschaffungsprogramme, Transfers an gering verdienende Haushalte und Subventionen für Unternehmen in der neuen Währung stattfinden. Und die Regierung könnte ihre Bürger verpflichten, einen immer höheren Anteil ihrer Einkommenssteuer in eRMB zu zahlen.

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Möglichkeit, das Machtgleichgewicht zu verändern

Wie bedeutend wird der digitale Renminbi sein? Eine bedeutende Folge des eRMB ist die Möglichkeit, das Machtgleichgewicht zwischen den Banken und den Technologiekonzernen des Landes zu verändern. Über die kontrollierte Anonymität des eRMB würde die chinesische Volksbank eine Möglichkeit bekommen, das zu überwachen, was normalerweise für Banken unsichtbar ist.

Die Daten über Umsatz- und Kostensteigerungen wären jedenfalls hochwertig, da sie eine volkswirtschaftsübergreifende Transaktionshistorie umfassen würden. So könnte die Volksbank die Kreditwürdigkeit möglicher Schuldner einschätzen und diese Bewertungen preiswert oder gratis an die Geschäftsbanken weitergeben, die damit den Informationsvorsprung der Technologiekonzerne verringern könnten.

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