Wer als Schweizer in Deutschland einkaufen geht, der spart. Um für Lebensmittel und Kosmetika weniger auszugeben, nehmen die Schweizer darum lange Wege auf sich: 2013 haben die Fahrten von über 100 Kilometern für den Einkauf im Ausland stark zugelegt, berichtet der Detailhandelverband IG DHS. 25 Prozent mehr sind die Schweizer für ihre Auslandseinkäufe gefahren,  das summiert sich zu 1,16 Milliarden Kilometern in einem Jahr.

Da die Shoppingtouren jenseits der Grenze und vor allem nach Deutschland überaus beliebt bei Schweizern sind, hat die Nachricht von Maut-Plänen auf Seiten der deutschen Nachbarn Befürchtungen ausgelöst. 88 Euro soll die Jahresvignette im Durchschnitt kosten,  die Verkehrsminister Alexander Dobrindt plant, je nach Hubraum und Ökostatus des Fahrzeugs weniger oder mehr. Jeder Autofahrer soll ab Januar 2016 für alle deutschen Strassen zahlen – und damit auch alle Schweizer, die am Wochenende in die Supermärkte in Konstanz, Weil am Rhein und Lörrach strömen.

Wie viel teurer wird der Einkauf im Grenzgebiet tatsächlich?

Das schmälert die Ersparnis beim Einkauf im Ausland. «Bremst eine Maut die Schweizer Einkaufslust?», fragte der «Tagesanzeiger» diese Woche. Eine Maut auf deutschen Strassen wäre durchaus eine «Eintrittshürde, bei der schon der eine oder andere überlegt, ob er das macht», wird der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, Utz Geiselhart, zitiert.

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Doch wie viel teurer wird der Einkauf im Grenzgebiet tatsächlich? Werden die Schweizer nicht mehr jenseits der Grenze einkaufen? «Die Veränderung wird nicht gewaltig sein», sagt Alexander Koch, Analyst der Raiffeisen Bank. «Denn viele kaufen für deutlich mehr ein als für die geplanten 88 Euro im Jahr.»

Da es an konkreten Erhebungen mangelt, wie viel ein Schweizer pro Einkauf in Deutschland ausgibt, ein vorsichtiges Rechenexempel: Spart Herr Schweizer noch, wenn er für einen Minimaleinkauf nach Deutschland fährt? Etwa nur für einen Liter Milch, ein Pfund Brot und ein Kilo Zucker? Ein solcher Einkauf entspricht darüber hinaus sicher eher der abendlichen Stippvisite eines Schweizers in einem Supermarkt in seiner Nähe, weil er in Rufweite der Grenze wohnt – und weniger dem Grosseinkauf eines Zürchers, der zum Shoppen bis nach Konstanz fährt.

Im Durchschnitt fährt jeder dritte Schweizer laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mindestens einmal im Monat zum Einkauf nach Deutschland. Von diesen Auslandsshoppern quert jeder dritte mehrfach im Monat zum Einkauf die Grenze. Dabei gilt, was der gesunde Menschenverstand nahelegt: Je näher ein Schweizer an der Grenze wohnt, desto häufiger fährt er zum Einkauf nach Deutschland.

Beim wöchentlichen Einkauf 1,70 Euro für die Maut

Bei Kosten von 88 Euro im Jahr zahlt jemand, der wöchentlich in Deutschland einkaufen geht, knapp 1,70 Euro pro Einkauf für die Maut in Deutschland. Jemand, der einmal pro Monat jenseits der Grenze shoppt, zahlt 7,30 Euro.

Die Preisersparnis muss also trotz Fahrtkosten und Zeitaufwand grösser seit als diese Summen. Sonst lohnt sich der Einkauf in Deutschland nicht mehr. Das Preisniveau in der Schweiz liegt laut Erhebungen vom Statistischen Bundesamt vom Juni 2013 gut 56 Prozent über dem EU-Durchschnitt, der dem deutschen in etwa entspricht. Die Differenz schwankt je nach Produkt.

Bei einem Liter Vollmilch beträgt der Unterschied derzeit knapp 30 Prozent. Dieser kostet laut Konsumentenportal «Discounter Preisvergleich» bei Aldi Süd in Deutschland 69 Cent, in der Schweizer Filiale hingegen umgerechnet 95 Cent. Ein Pfund Bauernbrot kostet 55 Cent in Deutschland, gegenüber 2,09 Euro in der Schweiz. Das Kilo Zucker kommt dem deutschen Kunden mit 85 Cent zu stehen, der Schweizer legt rund 10 Cent mehr drauf.

Nur bei geringsten Einkäufen fällt die Ersparnis weg

Wer also wöchentlich nach Deutschland fährt, um lediglich einen Liter Milch, ein Brot und ein Kilo Zucker zu kaufen, zahlt in Deutschland 2,09 Euro gegenüber umgerechnet 3,99 Euro in der Schweiz. Das entspricht einer Ersparnis von 1,90 Euro. Rechnet man die anfallenden Kosten von 1,70 Euro für die Pkw-Maut gegen, würde sich ein solch kleiner Einkauf tatsächlich kaum lohnen. Zumal auch noch Bezinkosten und Fahrtzeit anfallen.

Bei jedem Einkauf, der darüber hinaus geht,  – dem wöchentlichen Grosseinkauf für die vierköpfige Familie, das monatliche Shopping von Lebensmitteln, Kleidern oder gar Möbeln – sieht das anders aus. Jeder, der mehr einkauft als ein paar Kleinigkeiten, spart auch in Zukunft beim Einkauf in Deutschland. Auch dann, wenn die Maut anfällt.