Das syrische Chemiewaffen-Arsenal könnte auf hoher See vernichtet werden. Über diese Möglichkeit werde diskutiert, weil Albanien eine Anfrage zur Beseitigung der Waffen auf seinem Territorium abgelehnt habe, hiess es in Kreisen der Organisation für das Verbot von C-Waffen (OPCW).

Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden. Die Bundesregierung schloss unterdessen eine Zerstörung der syrischen C-Waffen auf deutschem Boden aus. «Wir haben durchaus die technische Fähigkeiten zur Vernichtung der Chemiewaffen«», sagte Kanzlerin Angela Merkel. Aber «wir werden in Deutschland keine Chemiewaffen vernichten, sondern wir werden uns in den internationalen Verbund einordnen.»

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Experten zufolge ist eine Zerstörung der C-Waffen auf einem Schiff oder einer schwimmenden Plattform technisch machbar. Sowohl die USA als auch Japan haben auf diese Weise bereits C-Waffen beseitigt: Die USA in den 1990er Jahren auf einem Pazifik-Atoll und Japan 2004 bis 2006 vor dem Hafen Kanda. Allerdings sei dies noch nie in einem solchen Umfang geschehen, wie es bei den syrischen Waffen nötig wäre, hiess es. Nach Angaben der Experten gibt es in Syrien rund 1300 Tonnen Giftstoffe für Waffen oder deren Vorprodukte.

Deutschland: Experte bei Vernichtung von C-Waffen

Der C-Waffen-Experte Ralf Trapp verwies darauf, dass bei der Vernichtung der auf dem Meeresgrund vor Japan gefundenen Bomben keine flüssigen Abfallstoffe entstanden seien. Die Beseitigung der syrischen Chemikalien sei indes komplizierter. In vielen Fällen handele es sich um Vorprodukte für C-Waffen, bei deren Neutralisierung grosse Mengen giftiger flüssiger Abfallstoffe entstünden, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Es müssten daher der Schutz der Umwelt und Rechtsfragen beachtet werden.

Deutschland besitzt grosse Expertise bei der Vernichtung von C-Waffen, da es noch immer mit der Beseitigung der chemischen Altlasten aus zwei Weltkriegen beschäftigt ist. Dennoch schloss Regierungssprecher Steffen Seibert eine Vernichtung der syrischen C-Waffen auf deutschem Boden aus. «Es ist für uns nicht denkbar, dass die Vernichtung in Deutschland stattfindet», sagte er. Deutschland stehe aber zu seinem Angebot, die Zerstörung der Waffen logistisch und finanziell zu unterstützen.

Zuvor hatten Aussagen des aussen- und sicherheitspolitischen Beraters von Kanzlerin Angela Merkel, Christoph Heusgen, für Verwirrung gesorgt. Das Militär-Blog «Augen geradeaus» zitierte den Merkel-Vertrauten mit den Worten, es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Deutschland einen Beitrag zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen leisten werde. Niemand sage, dass «in Deutschland nicht auch nachgedacht wird über bestimmte Produkte, die wir hier vernichten können», habe Heusgen am Dienstag bei einer Veranstaltung in Berlin erklärt.

Wo sollen C-Waffen vernichtet werden?

Die internationale Gemeinschaft sucht derzeit nach einem Land, das bereit ist, die syrischen C-Waffen auf seinem eigenen Territorium zu vernichten. Syrien soll über rund 1300 Tonnen chemische Kampfstoffe beziehungsweise Vorläufer-Chemikalien für C-Waffen verfügen. In dem Land tobt seit über zwei Jahren ein Bürgerkrieg, in dem bisher mehr als 100'000 Menschen getötet wurden. Die syrische Führung hatte sich zur Aufgabe ihres Chemiewaffen-Arsenals bereiterklärt, um einen Militärschlag der USA zu entgehen. 

(reuters/muv)